Publikumsbeschimpfung

Vor einiger Zeit fragte ich auf Twitter nach Kritik an BDSM und BDSM-lern. Die Rückmeldungen waren weit gefächert und wirklich sehr aufschlußreich. Viele Punkte konnte ich zu 100% unterschreiben, bei anderen stellte ich fest, dass ich mich absolut nicht davon freisprechen konnte, mich hier und da auch schon mal auf die eine oder andere Art schuldig gemacht zu haben. Da es mir zu blöd ist, einfach eine Liste mit den genannten Kritikpunkten zu veröffentlichen, habe ich mich dafür entschieden das Feedback in eine andere eher klassische literarische Form zu bringen, die seit Klaus Kinksi und Maxim Biller ein wenig aus der Mode gekommen ist, die Publikumsbeschimpfung.

 


 

Liebe BDSM-ler,

ich muss euch in aller Offenheit sagen, ich finde euch lächerlich. Arrogantes Pack, wenn ihr so in euren Leder- und Latexoutfits in der Gegend herum stolziert wie eitle Pfauen. Der oder die eine bringt mit süffisantem Grinsen die Bullwhip an der Seite zum Vorschein. Die oder der andere kokettiert wahlweise mit scheinbarer Angstlust oder der vermeintlichen Schmerztoleranz. Ehrlich gesagt, wenn ich mir eure 1200-seitigen Sklavenverträge durchlese und die Listen mit den 739 verschiedenen goreanischen SklavInnen-Haltungen, dann muss ich an eurem Verstand zweifeln.
Euren Hang zur Nonkonformität bringe ich durchaus einige Sympathien entgegen, trotzdem fällt es mir bei den meisten Begegnungen sehr schwer, euch auseinanderzuhalten, wenn alle ihre Individualität durch die gleiche schwarze Garderobe sowie mehr oder weniger identische Insignien und Schmuck zum Ausdruck bringen.

Und ihr Bondagetypen?
Verschnürt in stundenlangem Prozedere eure Opfer zu dodekaederförmigen Gebilden. Warum tut ihr das? Hofft ihr wirklich, diese vulgärgeometrischen Übungen öffnen das Tor zu neuen Dimensionen der Lust?

Und diese D/s-ler?
Jaja. Euer BDSM ist kein Fetisch! Jaja, Euer BDSM ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung! Schon klar. Aber habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wie viel Lebenszeit ihr verschwendet, in dem ihr eure SklavInnen all den Mist, den ihr verzapft, nachplappern lasst? Sind eure SklavInnen eigentlich imbezil? Oder warum zwingt ihr sie dazu, auch die einfachsten Anweisungen bis ins kleinste Detail zu wiederholen? Weshalb müssen sich SklavInnen eigentlich immer bedanken, ganz egal, ob das was ihr ihnen angetan habt, grenzenlos infantil oder gnadenlos brutal war? Ihr hofft wahrscheinlich, es verhindert die völlige Zurückbildung der sklavischen Sprechwerkzeuge. Die verkümmern ja sonst, weil sie in den wenigen ungeknebelten Momenten ja nicht unaufgefordert sprechen dürfen.

Diese ganzen Regeln, dieses krampfhafte Festhalten an Äußerlichkeiten; zwängt euch das nicht unglaublich ein, ganz egal, an welchem Ende der Peitsche ihr steht? Nicht, dass ich euch den Spaß nicht gönne, aber ich kann es nicht mehr hören, dass eure SklavInnen mit gesenktem Haupt durch ihr Leben kriechen müssen. Wahrscheinlich im Nuttenoutfit und ohne Unterwäsche. Daran, dass sie sich ständig den Kopf an Tischkanten stoßen, denkt ihr wohl nicht? Und die ständigen Blasenentzündungen, die eure Kleidervorschriften zweifellos hervorrufen, lasst ihr geflissentlich unter den Tisch fallen unter den die SklavInnen gekrochen sind, um euch jederzeit oral zu befriedigen.

Faszinierend sind auch all diese BDSM-Hobby-Philosophen.
Wie viele tausende Male muss jeder Begriff im BDSM eigentlich noch durchgekaut werden? Wer hat noch nicht seine Meinung zur Frage geäußert,

  • ob Strafen, die dem Bestraften Spaß machen, eigentlich echte Strafen sind,
  • dem Unterschied zwischen submissiv und devot,
  • wie groß die Schnittmenge zwischen Sub und Sklavin ist,
  • ob BDSM ein Spiel ist oder eine Lebenseinstellung und ob diejenigen, für die BDSM „nur“ ein Spiel ist, überhaupt echte BDSM-ler sind,
  • die siebenhunterachtundzwölfigsten Kritik an Shades of Grey

Mit Spannung sehen wir dem 1000-seitiges Sammelwerk, „Konzeptionelle Analyse des BDSM im 21. Jahrhundert“ entgegen. Es verspricht einen sophistischen Überblick über sämtliche epistemologischen Aspekte des modernen Sadomasochimus. Der umfassende Angang über die misogynen, sexistischen, homo- und transphoben Aspekte des BDSM ist separat in ausgewählten Frauenhäusern erhältlich.

Vanilla-Hater:
Das ist der, der sich als BDSMler für eine dem reinen Kuschelsexler überlegene Gattung hält. Der Vanilla-Hater ist eine Spezies, die sich nur durch moderne Kommunikationsmittel ausbreiten konnte. In realen Gesprächen mit realen Personen hätte er sich niemals behauptet, denn üblicherweise reagiert auch der allergrößte Idiot irgendwann irgendwie auf das Feedback, das er zwangsläufig erhält, wenn er immer nur Idiotisches von sich gibt. Nur im Internet – auf große Distanz und meist unter dem Schutz der Anonymität – ist es möglich völligen Schwachsinn zu schreiben und auf den Widerspruch zu reagieren, indem man sich immer mehr in seinen Schwachsinn hineinsteigert.

Menschen, die BDSM betreiben, haben offensichtlich auch kein bisschen Spaß an dem Unwesen, das sie in ihren Kellern und sonst wo treiben, wie sie auf sämtlichen bildlichen Darstellungen immer wieder demonstrieren. Die Doms stieren stets ernst oder grimmig in die Kamera. Subs schauen notgeil, versonnen in die Ferne oder senken ergeben das Haupt. Gelacht wird nie, höchstens mal gelächelt, entweder süffisant von oben herab oder unterwürfig von unten.

Den Toleranzpredigern möchte ich das Schlusswort widmen: Gefordert wird Verständnis oder gar Empathie. Eine Forderung, die sich nur auf den Schwachsinn bezieht, den man selbst von sich gibt und Akzeptanz will man vor allem für die eigenen versauten Spielchen. Andere erklimmen gar den Gipfel der Blödheit und rufen herunter „BDSM sei doch so immens vielfältig“. Das heißt also jeder Schwachmat kann seinem spezifischen Schwachsinn wenigstens das Feigenblättchen „Vielfalt“ aufkleben, aller Schwachsinn ist somit gleichermaßen schwachsinnig, womit der intellektuelle Tiefpunkt einer endgültig erreicht ist.

 


Dieser Beitrag ist Teil unserer megacoolen BDSM-Blogparade im April. Das Thema lautet diesmal  Humor im BDSM. (Anmerkung: Die Links verweisen z.Z. noch auf die Beiträge der letzten Blogparade, werden aber zeitnah bei Erscheinen aktualisiert):

Tomasz Bordemé – 05. April

Herzinfucked Marie Moreau: Herzinfucked – 12. April

Margaux Navara Margaux Navara – 16 April

Training of O Darth @Falbalus: Training of O – 23. April

Dompteur: The Art of Pain – 26. April

 Kink mit Herz – 30. April

 

Online Dating für Alphas – Tipps mit Erfolgsgarantie

Was Genderforscher und Feministen nicht zu verstehen scheinen: Der Kern einer jeden asymmetrischen Beziehung ist ein instabiles Gleichgewicht. Die biologische Forschung zeigt: Männer waren von Natur aus schon immer größer und kräftiger, kletterten auf die Bäume und hielten von dort nach Beute Ausschau, während die Frauen unten im Gebüsch waren. Dort fanden sie zwar selten einen Mann, konnten aber immerhin Beeren pflücken und trugen so zur Höhlengemeinschaft bei. Wir müssen anfangen den demagogischen Wandel als Chance zu begreifen. Viele lassen sich nämlich durch den enormen Anstieg der Kinderlosigkeit über den dramatischen Rückgang der Geburtenquote hinwegtäuschen. Das ist äußerst gefährlich. Diese beiden Tatbestände müssen separat voneinander betrachtet werden. Wer diesen Zusammenhang übersieht, ist selber schuld. Es besteht hier ein Grund zu allerhöchster Veranlassung! Dabei ist es doch eine Binsenweisheit, dass hübsche Frauen viel leichter einen Mann finden, und das ist doch die große Chance der weniger Attraktiven, indem sie zum Beispiel einfach besser aussehen. Online Dating für Alphas – Tipps mit Erfolgsgarantie weiterlesen

Kinky Secret 4

Mit der freundlichen Unterstützung des Orion-Versands, kann ich euch heute wieder mit einer Kinky Secret – Story beglücken. Es ist der zweite Teil von Paradise Beach.  Eine kleine Komödie für zwei oder mehr in drei Akten – zum ersten Teil der Story geht es hier.

 

Falls ihr Euch den Shop ansehen wollte, benutzt bitte diesen Link. Dann können die Leute bei Orion  nämlich sehen, dass ihr von mir kommt. Das wär eine Riesenhilfe.


Paradise Beach – Teil 1

(kleine Komödie für zwei oder mehr in drei Akten)

Aaric setzte sich auf. Sein Blick fiel auf seine junge Braut, die auf dem Handtuch neben ihm lag. Sie hatte sich umgedreht, lag jetzt mit dem Kopf Richtung Strand auf dem Bauch. Paige, dachte er verzückt, beugte sich herunter und küsste sanft ihren hübschen Fuß. Sein Herz pochte laut in seiner Brust. Er konnte sein Glück nicht fassen. Gab es etwas besseres als mit ihr zusammen zu sein? Zumal sie jetzt endlich Mann und Frau waren. Aaric drehte den Sonnenschirm noch zurecht, sodass auch Paiges nackte Beine wieder im Schatten lagen. Sie hatte unglaublich schöne Beine, fand er. Zufrieden ließ er den Blick über den Rand der Sonnenbrille hinweg am Strand  entlang wandern. Das Meer hatte sich zurückgezogen, weit und breit war kein Mensch zu sehen, außer einem Paar, das in einigen hundert Metern Entfernung mit Schläger und Ball spielte. Kinky Secret 4 weiterlesen

Salomé: Der Spießbürger 3

Der Spießbürger – Teil 3

von Salomé M.

spiessbuerger-kopie

Paul saß im Keller und betrachtete seine Modelleisenbahn, die auf komplizierten Bahnen über die superrealistische Landschaft fuhr, die er in jahrelanger Kleinarbeit aufgebaut hatte. Automatisch hielten die Züge in den Bahnhöfen an, filigrane Kräne be- und entluden Güterwagen, Weichen wurden gestellt, Züge kreuzten sich und Bahnschranken hoben und senkten sich im genau richtigen Moment. Salomé: Der Spießbürger 3 weiterlesen

Salomé: Der Spießbürger 2

Der Spießbürger – Teil 2

von Salomé M.

spiessbuerger-kopie

Also eigentlich war die Kurzgeschichte ja zu Ende, denn es war ja eine Kurzgeschichte. Aber was will man machen, wenn der Kopf das Leben von Paul und Lisi einfach weiterspinnt? Und ausserdem ließ mir das Schicksal der Modelleisenbahn keine Ruhe. Nun denn. Salomé: Der Spießbürger 2 weiterlesen

Über das Schreiben (Wo ist der Fisch)

Zwischenablage02Neulich bei Freunden, als ich mal wieder das unmögliche Unterfangen versuchte, Nicht-Schreibern zu erklären wie der kreative Prozess beim Schreiben abläuft begann ich zunächst wie immer und sagte:

Stellt Euch zwei Punkte vor, das Ende und  Anfang der Geschichte oder des Romans. Diese beiden Punkte repräsentieren die Kernidee der Story. Das eine ist zündende Idee, mit der der Held den Konflikt löst, die Zerstörung seiner Welt abwendet oder das Herz seiner Geliebten erobert. Das andere steht natürlich in unmittelbaren Zusammenhang zum anderen: Der Konflikt, eine Gefahr, ein Ziel, das Euer Held unbedingt erreichen will. Dazwischen muss irgendetwas passieren, dass ihr aufschreiben wollt.

Nun fiel mir eine Szene aus dem Film A Beautiful Mind ein, und ich fuhr fort:

Diese beiden Punkte sind zwei helle Sterne am klaren Nachthimmel und ihr versucht diese beide Sterne miteinander zu verbinden, indem  ihr Stern um Stern in diese Zeichnung einfügt, so dass sich am Ende ein sinnvolles Sternbild ergebt. Jedes Mal wenn ihr einen Punkt hinzufügt, füllt ihr die Geschichte mit Leben: Eine Szene eurer Geschichte, in der etwas passiert, dass die Geschicke eurer Protagonisten in irgendeiner Weise beeinflusst. Wenn ihr zum ersten Mal die beiden Punkte miteinander verbunden habt, glaubt ihr ziemlich deutlich einen Fisch zu erkennen. Beim nächsten Versuch geht ihr mehr ins Detail. Jeder Stern, den ihr neu einfügt bedeutet neue Möglichkeiten für Verbindungen, die vorher nicht sichtbar waren.

Aber es muss Dreck auf Eurer Linse gewesen sein, denn da gibt es Abzweigungen, wo kein Stern erkennbar ist. Hastig füllt ihr diese Lücken auf und wenn ihr dieses Mal fertig seid, wird es es zu Eurer Enttäuschung bestenfalls noch an das verwitterte Abbild eines Fisches erinnern, das ein Steinzeitmensch mit groben Werkzeug in Stein gemeißelt hat.

Manche der Probleme in eurer Geschichte haben euch nicht losgelassen, im Kopf seid ihr immer wieder an das Bild herangetreten und habt es verändert. Ihr denkt ihr seid gut vorbereitet und geht frohen Mutes ans Werk. Vor eurem geistigen Auge habt ihr einen wundervollen Delphin, der sich am Sternenhimmel jedoch leider als Wal entpuppt, der an einer merkwürdigen Krankheit leidet, sein Körper ist von unförmigen Wucherungen überzogen.

Ein guter Freund, er ist Meeresforscher und er hat ein Teleskop macht euch darauf aufmerksam, dass es mitten in eurer Zeichnung ein komplettes Netzwerk von Sternen gibt, das nicht mit dem Rest verbunden ist. Ihr korrigiert eure Zeichnung erneut und stellt fest: Eurer Wal hat nun keinen Körper mehr.

Ein Jahr später, als ihr zufällig nochmal in den Himmel schaut, fällt Euch auf, dass Euch bei der Wahl einer euren beiden Endpunkte ein kapitaler Fehler unterlaufen ist. Denn direkt neben dem Ende liegenden viel helleren Stern habt ihr einen weiteren völlig übersehen. Ihr ändert die  Sternenskizze entsprechend und geht das Netzwerk noch einmal Schritt für Schritt durch. Dieses Mal seid ihr mehr als zufrieden, habt ihr doch ein Ergebnis, wie es in diesem dem Stadium der Entwicklung nicht besser sein könnte: Ein Octopus, der sich in den Schleppnetzen eines japanischen Thunfischtrawlers verfangen hat.

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Bimbofiziert

Babs? Warum ausgerechnet Babs?

Sie sagt, er ist ein reaktionärer Chauvi. Aber was weiß sie schon. Sie kennt ihn doch kaum. Nur vom Sehen. Klar, wenn man ihn ansieht, weiß man sofort: Das ist ein Mann, ein richtiger Kerl. Groß und mit breiten Schultern, zum Anlehnen. Einer, der weiß was er will. Und das ganze dann in Uniform…hach.

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Lego Leseprobe aus Machtspiele

Lego

Aufwachen – Strecken – zu hell hier, viel zu hell. Auf den Bauch drehen und schnell den Kopf ins Kissen graben. Vorher einen Blick in die Ecke werfen, wo sie auf ihrer Bambus­matte den Schlaf der gerechten Subbies schlummert. Wie immer, wenn sie dort schlafen muss, liegt sie in Embryonal­haltung unter Decken, die bis zum Kinn hoch­gezogen sind.
Ob sie wohl träumt? Vielleicht zählt sie mal wieder Doms. Obwohl – das tut sie wohl eher zum Ein­schlafen. Wo andere Schafe zählen, zählt sie laut eigener Auskunft Doms, die auf einer großen, grünen Wiese über einen Zaun hüpfen. Moment mal! Wer sind diese Doms eigentlich? Von welchen Typen träumt meine Sub? Verdammt, wieso ist mir das früher nie aufgefallen? Lego Leseprobe aus Machtspiele weiterlesen