Chitin 01

Chitin

by Salomé M.

In einer nicht so fernen Zukunft wird in einem weit entfernten Sternensystem der bewohnbare Planet New Hope entdeckt und je elf ausgesuchte Frauen und Männer werden auf eine gefährliche  Reise geschickt. Ihre Mission: Das Überleben der Menschheit sichern, deren weitere Existenz auf dem Heimatplaneten durch Überbevölkerung und Klimawandel bedroht ist.

Als die weiblichen Besatzungsmitglieder aus dem Kälteschlaf erwachen, stellen sie zu ihrem Entsetzen fest, dass die Männer ein Patriarchat errichtet haben, das auf ihre sexuelle Ausbeutung ausgelegt ist. Dann erreicht das Schiff New Hope und die Erdenmenschen sehen sich mit einer außerirdischen Intelligenz konfrontiert, die so grundverschieden von der menschlichen ist, dass es jede Vorstellungskraft sprengt.

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SMBlogparade – Erniedrigung

Fiktion, Sachtext oder Erlebnisbericht? Diese Frage stelle ich mir bei jeder Blogparade zuallererst. Diesmal probiere ich es mit einer Kombination aus Sachtext und Erlebnisbericht und werde dabei eine Situation schildern, in der ich als Dom meiner Verantwortung nicht wirklich gerecht geworden bin.

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Unter der Haut

Krampfhaft muss ich mich davon abhalten, auch noch den kläglichen Rest meiner Fingernägel zwischen den Schneidezähnen zu Keratinstaub zu zermahlen. Also stecke ich die Hände unter meine Schenkel, wo ich sogar durch die Jeans hindurch den Puls fühlen kann. Der laute Black Metal aus dem CD-Player des Opel Calibra übertönt hoffentlich das Hämmern meines Herzens.  Unter der Haut weiterlesen

Chitin 21

Einundzwanzig

Leena studierte tagelang die Aufzeichnungen der Erkundungen von New Hope während des Anflugs und der beiden Umkreisungen. New Hope war etwas größer als die Erde, und größtenteils Wüste. Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre war erdähnlich, aber Stickstoff machte nur 50% aus. Der Rest war Helium, Argon und Xenon, sowie verglichen mit der Erde etwa doppelt so viel Kohlendioxid. Die Luft war jedenfalls atembar. Chitin 21 weiterlesen

Chitin 20

Zwanzig

Als Gianna erwachte, war sie geil. Es war stockdunkel, und sie hatte keine Ahnung, wie lange sie geschlafen hatte. Aber sie war scharf wie eine Rasierklinge. Sie wusste erst nicht, wo sie war, lebte noch halb in ihrem Traum, bis sie wie ein Schlag die Erkenntnis durchfuhr. ›Ich muss schockiert und verzweifelt sein. Ich muss mir überlegen, wie ich hier wegkomme‹, dachte sie. Aber was sie wirklich fühlte, war grenzenlose Geilheit. Ein Griff zwischen ihre Beine bestätigte, was sie ohnehin wusste: Sie war nass und ihre Klitoris war angeschwollen. Schließlich gab sie den intellektuellen Widerstand auf. Sie würde ohnehin zu keinem klaren Gedanken fähig sein, bevor sie Befriedigung fand. Chitin 20 weiterlesen

Chitin 19

Neunzehn

Die Biologin war noch am Leben. Das Volk war zum Schluss gekommen, dass es ineffizient wäre, sie zu eliminieren. Ihr Nervensystem hatte den Schock des Kontakts mit den Monstern (den Menschen, korrigierte das Kollektiv das Symbol sofort mit demjenigen, welches aus dem Bewusstsein von Gianna stammte) bereits durchlitten, und es machte keinen Sinn, ein weiteres Glied des Volkes zu opfern. Da sich die Biologin nach einer Phase der Bewegungslosigkeit wieder bewegen konnte, und sich auch nicht direkt auffällig verhielt, war es logisch, dass sie weiterhin die Kontaktfunktion wahrnahm. Chitin 19 weiterlesen

Chitin 18

Achtzehn

Leena betrachtete nachdenklich die Aufzeichnungen der Berichte an die Erde. Beim Näherkommen hatte der Planet keinen besseren Eindruck gemacht. Er hatte sich als relativ wasserarm entpuppt, was auf ein kontinentales Klima mit großen Temperaturschwankungen schließen ließ. Auch die Vegetation war nicht wirklich üppig. Bewuchs gab es fast nur entlang der Flüsse. Und just dort war auch die beherrschende Lebensform dieser Welt in großer Zahl ansässig. Chitin 18 weiterlesen

Chitin 17

Siebzehn

Gianna war wie betäubt. Nardos übliches Geschimpfe und Gefluche hörte sie kaum. Zu viele Eindrücke waren auf sie eingestürmt. Sie musste nachdenken. Dieses Volk, dessen Gefangene sie waren, war so fremdartig. Obwohl, manches erinnerte sie an das, was sie von irdischen staatenbildenden Insekten zu wissen glaubte. Allerdings waren die nicht intelligent, Oder doch? Chitin 17 weiterlesen

Chitin 16

Sechzehn

Lange lag Leena nur bewegungslos in der Fähre, die sicher im Dock der ›Santa Maria‹ ruhte. Alles war sinnlos geworden. Sie wollte nur noch die Außenschleuse öffnen und Ivan folgen. Doch es fehlte ihr die Kraft, um aufzustehen und auf den Knopf zu drücken. Ein Alarmton marterte ihr Gehirn. Der Bordcomputer des Shuttle registrierte, dass sie bewegungslos auf dem Boden lag, und rief um Hilfe. Ein sinnloser, an den Nerven zerrender Alarmton, der niemanden erreichen konnte. Diese Situation war von den Programmierern nicht vorhergesehen worden, dachte Leena mit einem bitteren, stummen Lachen, das in einen Weinkrampf überging. Es fehlte ein Euthanasiemodul, das sie von ihrem Elend erlösen könnte. Sie hatte Hunger und Durst. Sie wollte tot sein, aber ihr Körper wollte leben. Sie hatte nicht den Mut und nicht die Kraft, zu sterben. Sie konnte nicht tot sein, ohne vorher zu sterben. Chitin 16 weiterlesen

Chitin 15

Fünfzehn

Die Biologin war funktionsunfähig. Gleichzeitig wusste sie, dass ein Mensch ihren Zustand mit ›Nervenzusammenbruch‹ bezeichnet hätte. Ein Mensch! Nie hätte das Volk es für möglich gehalten, dass eine solche Lebensform existieren könnte! Jedes der Ungeheuer war autonom. Eine Art Volk für sich selbst. Der fliegende Bau war ein Transportmittel. Irgendwo, an einem Ort, dessen Position sich vorzustellen das Bewusstsein des Volkes verweigerte, gab es unzählbar viele derartiger Ungeheuer. Chitin 15 weiterlesen

Chitin 14

Vierzehn

Und wieder bekamen die Gestrandeten nichts mehr zu essen und zu trinken. Wieso taten die Ameisen das? Wieso gaben sie ihnen Hoffnung und ließen sie dann tagelang dursten? Gianna versuchte krampfhaft, sich zu erinnern: Dieser verrückte Planet beschrieb irgendeine verrückte Bahn um seine zwei verrückten Sonnen. Das machte die Tage … nein, das machte den Jahresablauf sehr seltsam. Die Tage, also die Perioden, an denen die helle Sonne über dem Horizont stand, waren zurzeit etwa acht Stunden lang. Etwa drei Stunden davon standen beide Sonnen am Himmel, aber man konnte den roten Riesen nicht sehen, weil er vom weißen Zwerg überstrahlt wurde. Sechs Stunden lang beherrschte der rote Riese den Himmel, und hätte bestimmt einen fantastisch spektakulären Anblick abgegeben. Allerdings stiegen immer, sobald die weiße Sonne verschwand, diese seltsamen Vögel auf und bildeten eine undurchdringliche Decke am Himmel. Dadurch waren die Nächte wirklich pechschwarz. Nie hatten zwei Ameisen einander im Sternenlicht ewige Liebe geschworen, und auch die Menschen würden es auf dieser Welt nie tun können. Man sah hier niemals die Sterne. Chitin 14 weiterlesen

Chitin 13

Dreizehn

Die Rettungsmission war zu einer fürchterlichen Pleite geworden. Ivan steuerte das Boot kurz nach der Dämmerungszone auf den Zielkurs des ersten Shuttles. Die Nachtvögel, die den Boden vor den Blicken verbargen, gingen nieder, sobald die weiße Sonne über den Horizont stieg. Augenblicklich wurde die Sicht in der trockenen Atmosphäre von New Hope kristallklar, und die öde Wüstenlandschaft breitete sich unter ihnen aus. Dürre, kakteenähnliche Vegetation gab es nur in einem vielleicht zwei Kilometer breiten Streifen entlang eines Flusses, der träge zum einzigen Meer in der Äquatorialzone des Planeten mäanderte. Chitin 13 weiterlesen

Chitin 12

Zwölf

Das Volk wartete ungeduldig. Zwei volle Thet-Perioden waren nun vergangen, ohne dass die Monster wieder diese besonderen Wellen abgestrahlt hätten, nach denen der ganze Bau so sehr verlangte. Zwar nahm das Lochwesen den Stab des Anderen manchmal in seine Kopföffnung, aber es kam nicht zu diesen rhythmischen Bewegungen. Möglicherweisen verstanden die Wesen einfach nicht, was das Volk von ihnen erwartete. Sie verloren ihre Aktivität, und ihre Oberflächen wurden wieder matt und eingesunken. Es war offensichtlich, dass ihnen das Wasser fehlte. Wenn nur irgendeine Kommunikation möglich gewesen wäre! Aber die Ungeheuer reagierten kaum auf Gesten und Pheromone, und überhaupt nicht auf die Kollektivprojektion. Sie wirkten wie niedere Lebewesen, die sich rein instinktgetrieben verhielten. Die Frage, wie derart lebensuntüchtige Geschöpfe überhaupt existieren konnten, blieb weiterhin unbeantwortet. Man müsste sie in ihrem natürlichen Umfeld studieren. Aber wie mochte das aussehen? Und wo mochte das sein? Ihr fliegender Bau war ja leider zerstört. Chitin 12 weiterlesen