Chitin 10

Zehn

Das Tageslicht kam mit der inzwischen gewohnten Plötzlichkeit. Wie ein Vorhang riss der Himmel auf und die grelle weiße Sonne stand über dem Horizont. Sie hatten dieses Phänomen einige Umkreisungen lang aus dem Orbit beobachtet: Eine riesige Schar fledermausartiger Wesen bedeckte den Nachthimmel und absorbierte das wenige Licht und die spärliche Wärme, die vom roten Zwerg ausgingen. Ebenso schnell, wie sie auftauchten, verschwanden sie in der Morgendämmerung wieder. Ein weiteres bizarres Phänomen dieser Welt, das vor allem Leena, die Xenobiologin vor der Landung hatte erkunden wollen. Doch weil sie nur eine Kajira war, hatte niemand auf sie gehört. Chitin 10 weiterlesen

Chitin 09

Neun

Umsatz war der Schlüssel! Die Monster hatten nicht nur einen hohen Wasserumsatz, sondern auch einen extrem hyperaktiven Stoffwechsel. Das erklärte die unglaubliche Wärme. Es konnte nichts anderes sein, als Stoffwechselabwärme, das war es! Und diese Wärme ermöglichte es den Monstern auch, bei Thet derart aktiv zu sein, während die Glieder des Volkes sich nur langsam und mühsam bewegen konnten. Die Biologin empfand so etwas wie Glück, als plötzlich diese Zusammenhänge klar wurden. Chitin 09 weiterlesen

Chitin 08

Acht

Durst. Das war alles, was Gianna noch denken konnte. Und Nardo schien es nicht besser zu gehen. Bald dachte sie nicht einmal mehr an das. Nur noch, dass sie jetzt bald sterben würden. Heute noch, oder vielleicht morgen. Sie war nicht einmal traurig über ihr nahes Ende. Aber sie trauerte um den verlorenen Traum. Die neue Heimat. Die Hoffnungen der Erde. Die längste Reise, die je jemand unternommen hatte. Chitin 08 weiterlesen

Chitin 07

Sieben

Die Biologin dachte die ganze Thet-Periode lang nach, wie sie die Monster noch etwas länger am Leben halten könnte. Wieso wurden sie so schnell schwächer? Wenn der Bau eines Volkes zerstört wurde, oder wenn die Königin starb, dann wurden die Glieder apathisch und passiv, ja. Aber diese hier waren doch am Anfang recht munter gewesen. Erst jetzt wurden sie immer schwächer. Ihre vorher prall elastische Oberfläche wirkte seltsam matt, schlaff und eingesunken. Chitin 07 weiterlesen

Chitin 06

Sechs

Giannas Durst verdrängte beinah sogar die schreckliche Erinnerung an die Ermordung von Rob. Die Ungeheuer, die auf den ersten Blick fast wie riesige Ameisen aussahen, hatten ihn gepackt, von ihr und Nardo weg gezerrt, und bei lebendigem Leib grausam zerfleischt. Seine schrecklichen Schreie hallten ihr noch lange in den Ohren, und sie musste würgen und hätte erbrochen, wenn ihr Magen nicht so leer gewesen wäre, als sie das viele Blut und das zerfetzte Fleisch sah, das einmal Rob gewesen war. Chitin 06 weiterlesen

Chitin 05

Fünf

Das Stabwesen schien einen überraschend hohen Selbsterhaltungstrieb zu haben. Obwohl es von seinem Volk getrennt und obwohl sein Bau zerstört war, kämpfte es mit aller Macht gegen die Mandibel, die es festhielten. Noch eine Seltsamkeit dieser weichen Ungeheuer. Ein Glied eines vernunftbegabten Volkes würde sich in sein Schicksal ergeben. Kein Glied war so wichtig, dass es sich dafür zu kämpfen lohnte. Nur für das Volk musste man kämpfen! Chitin 05 weiterlesen

Chitin 04

Vier

Gianna erwachte aus einem unruhigem Schlaf und brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Es war noch stockfinstere Nacht. Eine eisige Faust umfasste ihr Herz, als sie sich wieder erinnerte, wo sie war. Sie fühlte Nardos Atem an ihrem Ohr und fühlte seine Erektion an ihrem Po. Wie konnte dieser Kerl an Sex denken? Entrüstet schob sie sich von ihm weg, aber vor ihr lag der laut schnarchende Rob. Bevor sie sich erheben konnte, umfasste Nardo sie von hinten und legte seine Hände auf ihre Brüste. Er hatte oft genug mit ihr geschlafen, um zu wissen, wie intensiv sie auf diese Berührungen reagierte. Vor allem, wenn man leicht, oder manchmal auch etwas stärker, in die Nippel kniff und daran drehte. Sie stöhnte leise und drehte sich auf den Rücken. „Hast du vergessen, wo wir sind und was geschehen ist?“, flüsterte sie. Chitin 04 weiterlesen

Chitin 03

Drei

Als die schwarze Sonne Thet aufging, ging das Volk in den Bau. Alle außer den Soldatinnen, die den Eingang bewachten und den Hüterinnen der drei weichen Monster. Zwar konnte das Volk auch bei Thet sehen, aber nur im infraroten Bereich. Und da die Oberfläche des Planeten außerhalb des Baus schnell abkühlte, wurden die Beine und Fühler der Arbeiterinnen schnell steif und konnten nur noch langsam bewegt werden. Doch heute erwartete sie eine weitere Überraschung: Die Monster leuchteten Infrarot wie kleine Sonnen. Sie mussten autonome Wärmeerzeuger sein! Die Biologin beobachtete die hell strahlenden Wesen fasziniert. Sie musste hinter das Geheimnis dieser Wärme kommen! Das Volk konnte kaum erwarten, sie zu sezieren. Würde man diese Wärme für den Bau nutzen können? Dies würde das Volk zum mächtigsten der Welt machen. Zum einzigen, das auch im Winter aktiv sein konnte, während alle anderen Völker im langen Schlaf erstarrten. Vielleicht würde man sogar die feindseligen Nachbarvölker im Winter vernichten können, wenn sie wehrlos waren! Die Soldatinnen scharrten bei diesem Gedanken erwartungsvoll mit den Kiefern, während die Arbeiterinnen beim Gedanken an massenhaft Nahrung fast ohne Anstrengung wohlig zu beben begannen. Bald vibrierte der ganze Bau voller Erwartungen, und Thet hatte den Zenit bereits überschritten, als endlich Ruhe eintrat. Chitin 03 weiterlesen

Chitin 02

Zwei

Gianna war todmüde. Zwar hielt das Entsetzen sie noch wach, doch stehen konnte sie nicht mehr. Eng zusammengerollt lag sie auf dem staubigen Boden und versuchte, die Monster zu vergessen, die sich um sie und ihre beiden Mitgefangenen herum aufgebaut hatten. Die Männer hatten sich rechts und links von ihr niedergelegt, und Rob begann unglaublicherweise, auch bald zu schnarchen. Nardo, der hinter ihrem Rücken lag, streichelte ihr sanft übers Haar, und bald begann sie zu träumen.

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