Chitin 08

Acht

Durst. Das war alles, was Gianna noch denken konnte. Und Nardo schien es nicht besser zu gehen. Bald dachte sie nicht einmal mehr an das. Nur noch, dass sie jetzt bald sterben würden. Heute noch, oder vielleicht morgen. Sie war nicht einmal traurig über ihr nahes Ende. Aber sie trauerte um den verlorenen Traum. Die neue Heimat. Die Hoffnungen der Erde. Die längste Reise, die je jemand unternommen hatte.

Auf einmal gab es eine Bewegung in dem Ameisenkordon um sie herum, und eines dieser Monsterinsekten kam, und stellte etwas vor ihnen ab. Wasser! Eine Art umgedrehter Krabbenpanzer mit vielleicht einem viertel Liter schlammigem Wasser darin, in dem einige Kleinlebewesen umherflitzten. Schon wollte sie sich darauf stürzen, hätte es beinah ausgetrunken, da besann sie sich auf ihre Erziehung. Nur kurz währte ihr innerer Kampf, dann reichte sie die Schale ihrem Herrn Nardo. Mit einer Mischung aus Wut, Resignation und Enttäuschung sah sie zu, wie dieser mit großen, gierigen Schlucken trank. Erst als die Schale fast leer war, gab er sie zurück. Doch kaum hatte Gianna das Gefäß ganz ausgeleckt, brachten die Ameisen zwei weitere Schalen! Und so ging es weiter, bis beide keinen Schluck mehr hinunterbringen konnten, und den Rest des Wassers verwendeten, um sich notdürftig zu waschen. Was machte es schon aus, dass das Wasser trübe war und leicht schweflig roch? Es war Wasser, nur das zählte!

Danach ging Gianna an den Rand ihres Gefängnisses und versuchte, mit den Ameisen Kontakt aufzunehmen. Sie sprach sie an, winkte, überwand sogar ihren Ekel und berührte leicht ihren Kopf. Nichts. Keine Reaktion. Nardo rief ihr zu: „Was treibst du da eigentlich?“

„Diese Wesen müssen intelligent sein! Sie haben erkannt, dass wir Durst haben, und sie haben Gegenstände benutzt, um uns Wasser zu bringen! Wir müssen eine Verständigungsbasis herstellen!“

„Intelligent?“, höhnte Nardo, „Das sind verdammte Käfer oder Ameisen oder so etwas. Stumpfsinnige Monster!“ Er unterstrich seine Worte, indem er der nächststehenden Ameise mit aller Kraft gegen den Kopf schlug und trat. Diese rührte sich nicht. „Hör auf!“, rief Gianna, „mach sie nicht wütend!“

„Wütend? Umbringen werde ich sie!“, knirschte Nardo. „Ivan wird bald kommen, und diesen verdammten Ameisenhügel wegbrennen. Und dann geht’s rund!“

„Ivan wird nicht kommen“, sagte Gianna ruhig. Und in dem Moment erkannte sie, dass das stimmte, was sie selber bisher nie so klar wahr haben wollte: Wenn Ivan ihnen helfen gekonnt und gewollt hätte, wäre er schon längst zurückgekehrt. Er hatte ja gesehen, was am Landeplatz geschehen war. Und er musste wissen, dass es keine Zeit zu verlieren gab. Ivan war kein Held, das wusste Gianna. Sie kannte die Psychogramme der ganzen Mannschaft. Ivan neigte dazu, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Er hatte gesehen, dass die Landungstruppe mit ihren Handwaffen keine Chance gegen die dominierende Lebensform dieser Welt gehabt hatte, und bessere Waffen als die hatte er auch nicht. Er würde keine Landung mehr wagen. Leena würde das vielleicht eher tun, aber sie würde sich nicht gegen ihn auflehnen können. Niemand würde sie retten.

Nardo reagierte, als hätte sie ihn persönlich angegriffen: „Red‘ nicht so einen Quatsch!“, rief er laut. Er trat auf sie zu, packte ihre Handgelenke und starrte ihr aus kurzer Distanz ins Gesicht. „Ivan wird kommen!“

»Er wird nicht kommen!«, schrie sie und riss sich los, nur um ihre Wut, ihre Angst und ihre Frustrationen an Nardo auszulassen, indem sie ihm mit aller Kraft auf die Brust trommelte. Nardo stieß sie grob von sich, und beide setzten sich ein Stück weit auseinander auf den Boden und warteten auf den Abend. Auch an diesem Tag kam Ivan nicht. Wie viel lieber hätte sich Gianna in ihm getäuscht!

Als es dunkel wurde, kam Nardo zu ihr, und wollte sie in den Arm nehmen. Gianna versuchte, ihn abzuschütteln. „Lass mich in Ruhe!“, rief sie und versetzte ihm wieder einen Schlag vor die Brust. Diesmal ließ er es sich aber nicht gefallen, sondern packte sie an den Handgelenken. Eine Weile tolerierte er ihre vergeblichen Versuche, sich zu befreien, dann ließ er sie mit der Rechten los und gab ihr blitzschnell eine kräftige Ohrfeige. Verdutzt hielt Gianna inne, genug Zeit für ihn, um sie hart an den Brustwarzen zu packen und zu sich her zu ziehen. „Du bist eine Kajira, das solltest du nie vergessen!“

„Nein, lass mich.“ Gianna keuchte und versuchte, sich loszumachen, während er sie weiter und härter bearbeitete. Eine für sie selbst schwer verständliche Woge der Lust in all dieser Angst und Verzweiflung durchströmte sie. Der pure Lebenswille. „Ich weiß es, Herr“, stöhnte sie schließlich halb widerstrebend, halb willig unter seinen drehenden, ziehenden, kneifenden Fingern. Es war inzwischen wieder völlig dunkel geworden, und die Ameisen konnten sie nicht mehr sehen. Jetzt wollte sie genommen werden! Doch statt sie zu ficken, drückte Nardo schließlich ihren Kopf über seinen Penis. Gierig lutschte sie ihn zum Höhepunkt, ebenso gierig schluckte sie sein Sperma hinunter, denn sie war hungrig. Danach dösten die beiden Arm in Arm ein. Richtig schlafen konnten sie nicht. Die Tage hier waren zu kurz, und ihr Schlafrhythmus noch nicht angepasst.

***

Gianna hatte gewusst, dass es keinen Sinn hatte, sich aufzulehnen. Roger hätte sich durch nichts und niemanden davon abbringen lassen, jeden Widerstand der Frauen zu brechen. Sie hatte das schon geahnt, bevor Leena auf den Strafbock gespannt worden war. Diese hing immer noch dort, denn Roger hatte beschlossen, zuerst die anderen Kajiras abzufragen. Nein, jetzt war nicht der Zeitpunkt für Auflehnung. Die Männer passten viel zu gut auf, und von keinem war jetzt Hilfe zu erwarten. Einerseits hinderte sie die Disziplin daran, sich gegen den Kommandanten zu wenden, andererseits lockte die pure Geilheit, wie man ihnen sehr gut ansehen konnte. Es würde andere, bessere Gelegenheiten geben, zu revoltieren. Hoffentlich kapierte Ricarda das auch! Und so sagte Gianna, als sie an der Reihe war, nur brav: „Mein Name ist Gianna, ich bin eine Kajira, und ich bin hier, um zu gehorchen, Herr.“

Als die Nächste an die Reihe kam, wagte sie, in Nadu kniend und am Hundekuchen lutschend, der übrigens gar nicht mal so übel schmeckte, einen Blick zu Ricarda. Diese fing den Blick auf und nickte kaum merklich. Sie hatte verstanden.

Und wirklich: Als Ricarda als Letzte an die Reihe kam, sagte sie ihren Satz fehlerfrei auf, und Roger streichelte anerkennend über ihre Wange, die Brüste und die Hüfte, bevor er ihr den Hundekuchen gab.

Dann klatschte er in die Hände und rief: „Gentlemen, die Kajiras stehen nun zu eurer Verfügung. Ihr könnt sie hier benutzen oder in euren Kabinen, allein oder zu mehreren, wie ihr wollt. Aber bitte keinen Streit, es kommt jeder zum Schuss. Und denkt daran, was wir bezüglich Sicherheitsmaßnahmen vereinbart haben. Wir wollen ja nicht, dass eine der Ladies einen Fehler begeht, für den ich sie nachher sehr, sehr hart bestrafen müsste.“

Gelächter und zustimmendes Gemurmel bei den Männern, die nun herüberkamen. Manche der Kajiras hoben kurz den Blick, doch Rob passte genau auf, und versetzte jeder davon einen Gertenhieb, um ihr deutlich zu machen, dass er kein ungebührliches Betragen dulden würde. In Nadu hatte der Kopf erhoben, aber der Blick gesenkt zu sein!

Die Männer gingen um die knienden Frauen herum, unterhielten sich über deren körperliche Vorzüge und Nachteile und kabbelten sich darum, wer bei welcher als Erster zum Zuge kommen würde. Als jemand vor Gianna stehen blieb, und ihre Leine vom Fußboden löste, hielt sie den Blick stumm nach unten gerichtet und erkannte darum auch nicht gleich, wer es war, bis sie doch einen verstohlenen Blick wagte. Es war Lyell, der sie an der Leine zu seiner Kabine führte. In der Tür küsste er sie sanft auf den Mund und schob sie zum Bett. Dort befestigte er ihr Halsband an einer kurzen Kette an der Wand und die Handgelenke an zwei Ringen daneben.

Bevor Gianna lange darüber nachdenken konnte, ob sie es wagen durfte, von sich aus etwas zu sagen, sagte er: „Du darfst mich ansehen und du darfst sprechen.“ Dann legte er sich neben sie und begann sie zärtlich zu streicheln. „Musst du mich wirklich anketten, wie einen Hund?“, fragte sie mit bebender Stimme. „Ja, Roger meint, ihr könntet sonst Dummheiten machen, solange ihr nicht völlig ausgebildet seid. Auf New Hope wird es dann anders sein.“

Versonnen streichelte er ihre Brust, packte plötzlich die Brustwarze und kniff kräftig hinein. „Außerdem solltest du mich ‚Herr‘ nennen. Roger wollte, dass wir sehr genau darauf achten.“

Es hatte keinen Sinn. Heute würde keiner der Männer einen Fehler machen. Dazu kam: Ihre Liebe zu Lyell war unverändert. Schließlich waren für sie erst wenige Stunden vergangen, seit sie sich von ihm verabschiedet hatte, damals vor 80 Jahren. Für ihn war mehr Zeit vergangen, waren die Männer doch einige Tage länger wach geblieben und einen Tag früher geweckt worden. Und die Männer waren fraglos spitz wie selten zuvor. Zweifellos hatten sie sich gegenseitig mit Gor – Phantasien erregt und konnten es kaum erwarten, diese umzusetzen. Dazu kam Rogers ausgedehntes Vorspiel. Er hatte in einer perfekten Inszenierung vor seinen Männern alle weiblichen Besatzungsmitglieder zu Objekten degradiert. Gianna konnte nicht umhin, Rogers konsequente Durchführung seines heimlich ausgetüftelten Plans anzuerkennen. In diesem Moment machte es ihr aber ohnehin überhaupt nichts aus, Lyells Lustobjekt zu sein. Sein Streicheln wurde rasch zielgerichteter, ergänzt mit anfangs zärtlichen, dann fordernden und bald fast brutalen Küssen, die sie willig erwiderte. Endlich öffnete er seine Hose und legte sich zwischen Giannas Beine, ohne sich die Zeit zu nehmen, sich weiter auszuziehen.

 


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