Die Sklavin des Humanisten – 18

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Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.
Silvio Berlusconi (*1936)

(18. August)

 

Rainer war nervös und erregt. Er würde heute einiges an seiner Sklavin ausprobieren, was zumindest für ihn neu war. Nadeln und Elektrizität. Natürlich hatte er sich, wie es seine Art war, systematisch und fast pedantisch vorbereitet. Bei Sessions hatte er zugesehen, und er hatte alle Literatur dazu gewälzt, die er finden konnte. Nein, die feinen Nadeln waren ungefährlich, und sie würden keine bleibenden Narben hinterlassen. Schließlich tat jeder Arzt dasselbe, wenn er einem Patienten eine Spritze gab. Trotzdem zitterte seine Hand leicht, als er Lianas linke Brust umfasste und leicht zusammendrückte. Mit der rechten Hand nahm er eine der Kanülen und setzte sie an der Brust, dicht am Rand der Areole an. Er fühlte mehr, als dass er es hörte, dass seine Sklavin scharf die Luft einsog. Ein kurzes Zögern, dann schob er die Nadel zügig bis zum Anschlag vor. Liana hatte keine besonders großen Brüste, aber das Gewebe war doch jedenfalls dick genug, um die etwa einen Zentimeter langen Nadeln aufzunehmen, ohne dass die Lungen verletzt werden konnten.

Liana schrie kurz auf und streckte ihr Kreuz durch. Vergeblich, denn sie war straff an den Tisch gefesselt. Natürlich kannte Rainer die Empfindsamkeit ihrer Brüste, und er wusste, dass Brustfolter für sie viel schlimmer war, als etwa Stock– oder Peitschenhiebe. Gerade deshalb hatte er die Nadeln als Einstieg in den Höhepunkt der heutigen Session gewählt. Sein drohender Geburtstag weckte heftigere Gewaltfantasien in ihm, als er es für möglich gehalten hätte. Wollte er Liana für ihre Jugend bestrafen?

Er ließ ihre Brust los, beugte sich über ihr Gesicht und küsste sie zärtlich. Sie erwiderte den Kuss atemlos. Dann flüsterte er ihr ins Ohr: »Er wird schlimmer, viel schlimmer. Du kennst dein Safeword?«

»Ja, Herr«, keuchte sie gepresst.

Die zweite Nadel platzierte er ebenfalls am Rand der Areole, genau gegenüber der Ersten. Diesmal erschien ein winziges Blutströpfchen, das er mit einem Tuch wegwischte. Nadel um Nadel folgte, bis der Warzenhof von einem Ring umgeben war. Lianas Atem ging schnell, aber sie stöhnte nicht. Ihre Brustwarzen waren hart.

Er packte den Nippel grob und zog ihn so weit es ging heraus. Die Dehnung der Brust führte dazu, dass die bereits platzierten Nadeln ihre Lage veränderten und Schmerzimpulse auslösten. Liana schrie erschrocken auf, und im selben Moment schob ihr Herr die letzte Kanüle basisnah quer durch die Brustwarze.

An diesem Punkt war Rainers Erektion schmerzhaft geworden. Er öffnete seine Hose und ließ sein Glied herausspringen. Dann stand er am Kopfende des Foltertisches und führte den Kopf der Sklavin in überstreckte Haltung, sodass er den Penis tief in ihren Rachen einführen konnte. Liana mochte Deep Throat. Sie hatte ihren Würgreflex abtrainiert und fand das Gefühl der Eichel, die an ihre Rachenwand stieß, sogar erregend. Es lenkte sie sogar kurz von ihrer schmerzenden linken Brust ab. Doch nun wandte sich Rainer der Rechten zu. Seinen Penis immer noch in ihrem Hals, stach er die Nadeln. Bei jedem Stich fühlte er den Druck um seinen Penis zunehmen, als die Sklavin keuchend Luft holte und leer schlucken musste. Als er alle Nadeln gesetzt hatte, entzog er ihr seinen Schwanz, und beobachtete einen Moment ihr heftiges Keuchen. Würde sie ihr Safeword sagen?

»Warum tue ich das?«, fragte sich Rainer. Die Antwort lag auf der Hand: Weil er es konnte, und weil es ihn erregte, der ihm völlig ausgelieferten Frau Schmerzen und Verletzungen zuzufügen. Natürlich kannte er das ›Stanford–Prison–Experiment‹, und auch das ›Milgram–Experiment‹. Er wusste, dass Menschen dazu neigen, gegenüber ihnen ausgelieferten Mitmenschen grausam zu handeln, vor allem, wenn sie dies im Namen einer echten oder fantasierten Autorität tun. Rainer war gewissermaßen Versuchsleiter und Versuchsperson in einem. Er beobachtete sich selber halb amüsiert und halb entsetzt. Würde er wirklich so lange weitermachen, bis die Sklavin ihn um Gnade bat?

Nein. Er würde nur noch eine Stufe weitergehen, die er bereits vorbereitet hatte. Dann würde er sie ficken, damit sein Penis erst mal Ruhe gab. Und danach würde er sie in das beste Restaurant der Stadt ausführen, um seinen Abschied vom 49. Lebensjahr zu feiern und sie um ihre Hand anzuhalten.

Er schmunzelte, während er an den beiden Nadeln, die quer durch die Brustwarzen gestochen waren, Elektroden befestigte, die zum Reizstromgerät führten.

Sein Penis war steinhart, als er zum Steuergerät ging. Er hatte oft über Elektrostimulation gelesen, und jetzt würde er seiner Sklavin neue Dimensionen von Schmerz und Lust bieten, das wusste er. Impulse hoher Spannung, aber ungefährlich niedriger Stromstärke würden von den Elektroden an den durchnässten Schamlippen durch die Klitoris und zu den Elektroden an den Brustwarzen rasen. Sie würden das Gefühl eines Schlags, dann Krämpfe und Wärme auslösen.

Er schaltete ein. Zunächst die niedrigste Stufe. Er küsste Liana, als sie unter den Impulsen zusammenzuckte. Sie stöhnte lustvoll und erwiderte seinen Kuss leidenschaftlich.

 

Liana war schweißnass. Seit Stunden schon hatte sie vermehrt geschwitzt, und sie hatte heute weniger getrunken, als üblich. Ihr Adrenalinspiegel war, getrieben von der Lust–Angst, auf einem Höchststand. Ihr Puls raste.

Liana hatte eine seltene Anomalie des Herzens, namens Brugada–Syndrom. Sie wusste, dass sie das hatte, und dass sie deswegen keinen Leistungssport betreiben sollte. Der Arzt hatte ihr erklärt, dass ihr Herz zu Rhythmusstörungen neige. Sie hatte davon aber bis auf ein einziges Mal nie etwas bemerkt. Dieses eine Mal war ein Schwächeanfall gewesen, als sie von zu Hause weglief, tagelang nicht genug aß und trank, und mitten auf der Straße zusammenbrach. Damals war sie im Krankenhaus wieder zu sich gekommen. Ihre Sorgen galten damals aber mehr der Tatsache, dass ihre Eltern sie nun wieder holen würden, als der seltsamen Diagnose, von der der Arzt sprach.

Nun lag sie hier, in Rainers Folterkeller, Arme und Beine an metallenen Streben befestigt, und Elektroden am Leib. Die Leitfähigkeit ihrer Haut war extrem gut, da sie von Schweiß und Lust durchnässt war, und da die Elektroden an ihren Brüsten nicht an, sondern in den Brustwarzen steckten.

Als die Elektroschocks stärker wurden, strömten viel stärkere Impulse, als gewöhnlich nicht entlang der Haut, sondern durchs Körperinnere zu den geerdeten Metallstreben. Und auch durchs Herz. Woher hätte Rainer das wissen sollen? Er war kein Elektriker.

Und er bemerkte nicht, dass Lianas Herz zu flimmern begann. Ein flimmerndes Herz ist wie ein stillstehendes Herz. Es fördert kein Blut mehr. Liana bemerkte es selbst nicht, dass sie starb. Dass ihr die Sinne schwanden, hätte sie auf die übergroße Lust zurückgeführt, die sie empfand, wenn sie noch so weit hätte denken können. Und Rainer? Er hielt den Krampf ihres Körpers für einen Orgasmus. Erst als er sie küsste, und ihre Zunge nicht reagierte, schöpfte er Verdacht. Er schaltete das Gerät aus, rief Liana, ohrfeigte sie sogar, schüttete Wasser über sie, doch nichts geschah. Dann band er sie los, legte sie auf den Boden und flehte sie an, ihm zu antworten.

»Sie atmet nicht!«, durchfuhr es ihn endlich, »Wiederbelebungsmaßnahmen!«

Ungeschickt, da ungeübt, begann er mit Mund–zu–Mund-Beatmung. Er brachte kaum Luft hinein. Er musste Hilfe rufen! Das Handy war oben. Er konnte Liana nicht allein lassen! Schlug ihr Herz überhaupt noch? Er versuchte, den Puls zu finden. Vergeblich. Er legte das Ohr auf ihre Brust, auf die Nadeln. Riss die Nadeln hastig heraus. Es floss kein Blut. Legte das Ohr wieder auf ihre linke Brustseite. Nichts.

»Nein!«, schrie er verzweifelt. Doch seine geliebte Sklavin antwortete nicht. Viel zu lange schrie er, rief er, schüttelte er, bis ihm einfiel: »Herzmassage!«

Seit seinem Nothelferkurs vor dreißig Jahren hatte er so etwas nicht mehr gemacht. Entsprechend schwer fiel es ihm. Eins–zwei–dreimal (oder musste man fünfmal?) den Brustkorb hinunterdrücken (wie stark?), dann einmal beatmen.

Er hätte nicht mehr sagen können, wie lange er die leblose Frau so bearbeitet hatte. Es musste mindestens eine Stunde gewesen sein. Sie hatte sich nicht mehr gerührt. Sie war tot.

Den ganzen Rest des Tages und die ganze Nacht lag Rainer bei ihr, über ihr, auf ihr. Erzählte ihr von seinen Träumen, seiner Liebe, seinen Zukunftsplänen. Irgendwann ging er mechanisch wie ein Automat zur Toilette. Die Sonne schien. Es war Morgen. Sein fünfzigster Geburtstag. Er schleppte sich zurück zu seiner Geliebten. Sie lag immer noch so da, wie er sie verlassen hatte. Und ihr Körper war bereits ein wenig steif geworden. Sie war tot. Unwiderruflich tot.

Blicklos starrte er sie an. Oben im Haus klingelte das Telefon. Die ersten Gratulanten vermutlich.

Dann nahm er zwei Stücke dicken Drahtes aus der Schublade des Sideboards. Im Duschraum machte er sich die Hände nass. Mit den nassen Händen griff er die beiden Drahtstücke und führte sie in die zwei Öffnungen einer Steckdose.

Dies war ein altes Haus. Es gab keinen FI–Schutzschalter. Und die Sicherung war wegen der vielen Elektrogeräte sehr stark. Rainer bekam die vollen 240 Volt mit der maximalen Stromstärke, die durch seinen Körper fließen konnte. Er starb nicht schmerzlos. Er hätte die Drähte auch nicht mehr loslassen können, wenn er gewollt hätte, denn seine Hände waren verkrampft. Erst als der Tod seine Muskulatur lähmte, lösten sie sich. Sein letzter Gedanke war: »Liana!«

 

Ende

An Sicherem, an Fassbarem, an Unbestreitbarem gibt es nichts außer der nackten Haut. Sie ist das Einzige, was wir besitzen. Was uns gehört.
Curzio Malaparte (1898–1957)


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2 Gedanken zu „Die Sklavin des Humanisten – 18“

  1. Ich fand die bloggeschichte großartig. Das Ende hat mich schockiert. Mag eher etwas mit Happy end aber war mal was neues. Ich hoffe es kommen noch mehr so tolle Geschichten. LG und einen schönen Abend

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