Die Sklavin des Humanisten – 04


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Es ist besser zu genießen und zu bereuen, als zu bereuen, dass man nicht genossen hat.
Giovanni Boccaccio, (1313–1375)

(18. August)

»Herr?«, weckte ihn die schüchterne Frage seiner Sklavin aus den Gedanken. Liana lag noch immer gefesselt und mit verbundenen Augen auf dem Bett. Rainer sah auf die Uhr. Eine halbe Stunde mochte er nun schon so in seinen Gedanken versunken gesessen sein. Sein Penis war wieder erschlafft, und sein Blick ruhte auf der nackten Frau, ohne sie wirklich zu sehen. So war es in diesen ersten Tagen gewesen, sinnierte er. Sie hatte ihn manipuliert. Durchaus zu seinem Besten, aber doch: Am Anfang ihrer Beziehung war es sie, die Sklavin, gewesen, die den Takt angegeben hatte. Bis es ihm gelungen war, sie erst zu durchschauen und sich dann durchzusetzen. Doch manchmal, überlegte er, war es trotzdem auch heute noch so, dass sie ihn manipulierte.

»Was ist?«, antwortete er etwas unwirsch.

»Ich muss auf die Toilette«, antwortete sie zaghaft.

»Das kann warten«, antwortete er. »Mach mir erst einmal Frühstück.« Damit band er sie los und entfernte die Augenbinde. Liana verschwand durch die Tür und lief die Treppe hinunter zur Küche. Irgendwie fühlte Rainer sich heute nicht wohl. Er würde nächste Woche doch mal einen Termin bei Dr. Erting vereinbaren, um sich durchchecken zu lassen. Sein Leben war ihm kostbarer geworden, seit er Herr dieser wunderbaren Sklavin geworden war und in diesem schönen Haus lebte. Er wusste, dass sein Blutdruck und sein Cholesterinspiegel viel zu hoch waren, doch bisher hatte er nie viel darauf gegeben. »Die Stunde kommt, wenn sie kommen muss«, war seine Devise gewesen.

Immer noch in Gedanken versunken ging er zur Toilette, wusch sich, kleidete sich an und folgte dann der Sklavin in die Küche. Diese hatte unterdessen das Frühstück zubereitet und kniete an ihrem Platz neben Rainers Stuhl, die Hände auf dem Rücken. Auf dem Tisch stand eine Tasse Kaffee. Als Erstes nahm Rainer die Tageszeitung, die neben dem Teller lag, und begann, darin zu lesen, während er am Kaffee nippte. Liana beachtete er zunächst nicht. Dann blickte er von der Zeitung auf, schien sie erst jetzt zu bemerken und hielt ihr die Tasse an den Mund. Folgsam nahm sie einen Schluck, ohne ihre Haltung zu verändern. Dann bereitete er sich ein Brot, aß es beinahe auf und schob der Sklavin den letzten Bissen in den Mund. So frühstückte Rainer in aller Gemütsruhe, wohl bemerkend, dass Liana immer unruhiger wurde, und schließlich auch leicht hin und her wippte. Bis es unvermeidlich wurde, dass sie sich meldete:

»Herr?«

Er schaute sie mit einer Mischung aus Erstaunen und Empörung an: »Ich bin am Zeitunglesen! Was willst du?«

»Darf ich bitte auf die Toilette?«

»Du hast mir bereits gesagt, dass du das möchtest. Und ich habe dir bereits gesagt, dass du warten sollst. Hältst du mich für so vergesslich?« Der leicht drohende Unterton in seiner Stimme war unüberhörbar.

»Nein, Herr.«

»Also geh und hol die Gerte.«

Sofort sprang sie auf und brachte das Gewünschte. Ihr Gesicht war gerötet. Er befahl ihr, sich vor ihm aufzustellen. Als sie das tat, tastete er ihren Bauch ab. Knapp oberhalb des Schambeins meinte er tatsächlich, durch ihre schlanke Bauchdecke die gefüllte Blase zu spüren. Als er dort etwas stärker drückte, stöhnte sie schmerzlich auf und presste die Beine zusammen. Rainer ließ seine Hand tiefer wandern und strich durch ihren feinen Busch. Als er sie kennengelernt hatte, war sie blank rasiert. Aber das war ihm zu kleinmädchenhaft gewesen. Er hatte ihr daher befohlen, ein sauber ausrasiertes Dreieck über der Scham stehen zu lassen. Das Resultat gefiel ihm ausnehmend. Kurze Haare von etwas dunklerem Ton als das Kopfhaar, die sich ganz leicht drahtig anfühlten. Etwa so, wie eine feine Bürste. Er liebte es, darin zu kraulen und darüberzustreichen, mal mit, mal gegen den Strich. Normalerweise liebte sie es auch, wenn er das tat, aber jetzt konnte sie nur an ihre drückende Blase denken. Und an die Gerte, die sie immer noch in der Hand hielt.

Jetzt waren seine Finger noch tiefer gewandert und prüften die Schamlippen und den Spalt dazwischen. Dann hielt er ihr den feucht gewordenen Finger zum Ablecken vor den Mund und nahm ihr anschließend die Gerte ab. »Dreh dich um!«

Kurz nacheinander zog er ihr je einen kräftigen Gertenhieb über jede Pobacke. Liana ertrug es, ohne zu schreien oder wegzuzucken. »Geh auf die Toilette und mach dich dann frisch«, befahl er. »Anschließend wartest du im Keller auf mich.«

»Ja, Herr«, antwortete sie dankbar und verschwand eilig durch die Küchentür.

 


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»Pacta sunt servanda«
Rechtsgrundsatz

(11 Februar)

 

Fred Martens war ein unangenehmer Mensch, fand Heiner. Wäre er nicht Testamentsvollstrecker seines besten Freundes Alain, würde er sich kaum mit so jemandem abgeben. Dabei war Fred auf den ersten Blick durchaus gewinnend: Hochgewachsen, schlank, athletisch gebaut und in einem perfekt sitzenden, unaufdringlich–eleganten Anzug gekleidet. Er war ein sehr erfolgreicher Händler und Vermieter von Luxusfahrzeugen, und wer ihn in seiner Eleganz sah und seine geschliffenen Manieren erlebte, glaubte das auch sofort.

Doch Heiner kannte einen Teil von dem, was sich hinter der Oberfläche verbarg. »Du schickst deine Sklavinnen auf den Strich!«, hielt er ihm gerade vor.

Fred ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. »Na und, du hast Ella auch schon ausgeliehen, nicht?« Die beiden waren sich im BDSM–Umfeld schon mehrfach begegnet, denn obwohl die Stadt groß war, war die Zahl der aktiven Szenegänger doch überschaubar genug, dass man sich kannte.

»Das ist ja wohl etwas anderes!«, versetzte der Anwalt entrüstet. »Hier geht es nicht um Geld!«

»Ja«, meinte Fred süffisant, »Du als Rechtsverdreher machst eben so viel Kohle, dass du Ellas Möse verschenken kannst. Ich dagegen finde, Su und Lu können ruhig auch ihren Unterhalt mitfinanzieren, wenn ich ihnen schon erlaube, ihre Geilheit zu stillen. Stimmt’s, Lu?«

»Ja, Herr«, antwortete die Angesprochene, die zu seinen Füßen kniete. Su war nicht hier, sie war dabei, ihren Unterhalt zu finanzieren, wie Fred es ausdrückte. Man konnte Su und Lu einzeln oder gemeinsam als Escort mieten, und während großer Messen oder internationaler Kongresse waren die beiden meist schon vom Mittag weg ausgebucht. Manche Kunden mieteten einen Ferrari oder Maserati gleich zusammen mit einer der Frauen. Beide waren nicht nur attraktiv, sondern wussten sich auch gut zu kleiden und konnten sich mühelos in jeder Gesellschaft bewegen. Die Frage, wieso die beiden dieses Spiel mitmachten, hatte die Szene schon einige Zeit beschäftigt. Mehr als einmal war ein anderer Dom auch diskret an Su oder Lu herangetreten, um sie für sich zu gewinnen, aber stets vergeblich.

»Und welche Rolle hättest du für Liana gedacht?«, kam Heiner zum Grund von Freds Besuch.

»Die wird gut zu den beiden passen: die schwarzhaarige Su, die hellblonde Lu und die rotblonde Liana, die ich dann Li nennen werde.

»Ja, aber Alains Neffe hat das Erbe angetreten. Liana gehört ihm«, versetzte der Anwalt mit deutlich hörbarer Genugtuung.

»Da wäre ich nicht so sicher«, entgegnete Fred. »Im Code Noir steht deutlich, dass die Sklaven eines Verstorbenen unter den Erben aufzuteilen seien.«

»Willst du sie etwas aufteilen?«, prustete Heiner los.

»Ja«, antwortete der Andere ungerührt. »Vielleicht nicht so, wie du es denkst, aber zeitlich. Ein Tag ich, ein Tag er. Wenn er das Spiel nicht mehr mitmachen will, werde ich ihm dann einen fairen Preis für seine Hälfte bieten, und das Stück ganz übernehmen.«

Jetzt war Heiner einen Moment sprachlos. »Das ist doch Unsinn«, rief er dann. »So ist dieser Passus im Code Noir nicht gemeint. Außerdem hat Alain Rainer zum Alleinerben bestimmt. Sein Testament ist eine rechtsgültige Entziehung deines Pflichtteils!«

»Du weißt genau, mein sehr verehrter Rechtsverdreher, dass du kein Gericht dazu bringen wirst, die Sklavin zum rechtsgültigen Erbe zu zählen. Es gilt ausschließlich der Code Noir. Und das bedeutet: Meine Rechte sind ebenso gut wie seine. Liana wird sich an den Vertrag gebunden fühlen. Ich werde sie und den glücklichen Erben morgen aufsuchen.« Damit verließ er den Raum, Lu folgte in respektvollem Abstand. Heiner blickte den beiden nachdenklich hinterher, dann griff er zum Telefon.

 


 

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