Drexler 7

Ich starrte aus meinem Fenster. Die Schiffe unten im Hafen sah ich nur durch einen Schleier. Als ich keine Tränen mehr hatte und das Bild klarer wurde, mussten Stunden vergangen sein. Hin und wieder schenkte ich mir einen Schluck Otard X.O in einen Plastikbecher. Nur am frühen Morgen hatte das Zeug für wenige Stunden eine halbwegs akzeptable Temperatur. Nachmittags und besonders am Abend war es pisswarm, was mich aber nicht im Geringsten störte. Ich trank nicht aus Genuss, sondern in der Hoffnung, es möge gegen die Leere helfen. Aber die Leere blieb und als mir klar wurde, dass meine Mutter für immer tot sein würde, gesellte sich Zorn hinzu.

Es musste Mittag gewesen sein, wie ich wegen der Temperatur des letzten Schlucks Cognacs vermutete, als ich ihre Anwesenheit bemerkte. Was Sie hinter mir machte, versuchte ich zu ignorieren, auch, als sie mich ein weiteres Mal umarmte. Ich fragte mich, wann sie gekommen war. Dass ich ihr die Tür geöffnet haben musste, hatte ich wohl verdrängt. Und, dass sie die leere Flasche gegen eine volle ersetzte, nahm ich wortlos zur Kenntnis. Es ist Jack Daniels, eigentlich widerlich, aber immerhin wurde auch der Plastikbecher ausgetauscht, gegen einen Tumbler mit Eiswürfeln. Später, als ich zum dritten Mal seit dem Tod meiner Mutter aus meinem Fenster sah, wie die Sonne über dem Hafen unterging, drangen Geräusche aus der Küche zu mir.

‚Essen?‘

Danach stand mir überhaupt nicht der Sinn. Es würde nicht gegen die Leere helfen. Aber, dass ich drei Tage aus meinem Fenster starrte, bedeutete nicht, dass ich vorhatte, mich aus Trauer zu Tode zu hungern. Während wir aßen, bemerkte ich zum ersten Mal ihre Kleidung, die aus Rock, Bluse und Schuhen bestand. Die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, während wir aßen, waren indes von anderer Natur. Ihre, wie ich fand, offensichtliche Absicht mit sexuellen Aktivitäten meine Trauer zu lindern, war gelinde gesagt, eine Frechheit. Den Tod meiner Mutter durch Austausch von Körperflüssigkeiten besudeln? Unerhört! Ich suhlte mich regelrecht in meiner Trauer, suchte aktiv danach meine Auffassung zu bestätigen. Wie sie mit dem Hintern wackelte, wenn sie in die Küche stolzierte! Wie sie sich nach vorne beugte und dabei ihre Brustansätze entblößte! Wie sie die Beine übereinander schlug! Ich steigerte mich regelrecht in einen irrationalen Zustand hinein, in dem ich sie zum Ventil für meinen Zorn machte, der seit Tagen in mir brodelte. In meiner Verfassung ignorierte ich, dass sie sich völlig normal verhielt und ihre Kleidung angemessen und typisch war. Es gelang mir, sogar ihre Fürsorglichkeit zu ihren Ungunsten auszulegen; als einen Versuch meine emotionale Schwäche auszunutzen und sich einen Weg (zurück) in mein Herz zu stehlen. Der kleine Kulturbeutel sowie der zusammengeknüllte Slip in ihrer Handtasche dienten mir schließlich als Zünder. Diese Utensilien, üblicherweise für ‚den Morgen danach’, brachten den in mir brodelnden Vulkan zur Eruption. Das war nicht mehr Zorn, sondern blanke Wut und die richtete sich nun gegen sie.

Die Erinnerungen an den nachfolgenden Ablauf sind bestenfalls schemenhaft. Überwiegend Einzelbildaufnahmen, zum Beispiel, wie sie nach der ersten Ohrfeige vor mir auf dem Boden kauerte. Ich zog sie an den Haaren nach oben und beschimpfte sie. Ich hatte ihren Zopf in der Faust und schlug sie mit der flachen Hand, beschimpfte sie weiter. Sie nickte, als ich sie zwang, zu bestätigen, dass sie eine ‚kleine dreckige Hure‘ sei oder etwa ‚Ficken zu wollen’, ansonsten war sie stumm. Ich zwang sie sich auszuziehen und schließlich vor meinen Augen zu masturbieren. Ob sie dabei einen Orgasmus hatte, bemerkte ich wahrscheinlich nicht einmal. Ich ließ sie danach auf dem Boden liegend zurück.

 

Als ich nach einer unruhigen Nacht erwachte, lag sie immer noch da, wo ich sie zurückgelassen hatte. Auf dem Weg in die Küche warf ich eine Decke über sie, aus der nur noch ihr Kopf lugte, nachdem ich zurück kam und mich in den Sessel setzte, vor dem sie kauerte. Während ich die ersten beiden Croissants verdrückte, robbte sie allmählich zwischen meine Beine. Ich beugte mich nach vorne, in der Hand eines ihrer drei Croissants, die dick mit Marmelade bestrichen waren, und fütterte sie. Im Gegensatz zur Nacht davor erweckte dieses Schauspiel normale erotische Ambitionen in mir. Meine Wut war durch den nächtlichen Ausbruch verpufft. Als ich meinen Bademantel zur Seite schob, rutschte sie ohne zu zögern nach vorne. Ich schüttelte den Kopf, als ihre Hände auf meinen Beinen nach oben glitten. Sie verstand, nahm ihre Hände hinter den Rücken, und wenig später ließ sie mich ihre Lippen spüren. Ich befand mich in dem äußerst seltsamen Zustand, dass mich ihre Bemühungen um meine fleischliche Lust weit weniger erregten als die äußeren Umstände. Obwohl mein Kopf aus nachvollziehbaren Gründen in dieser Situation kaum zu gebrauchen war, tauchte plötzliche eine Idee aus dem Nichts auf.

Mir war nicht wirklich klar, wieso ich unnötig gemein zu ihr gewesen war. Auch nicht, warum sie es sich hatte gefallen lassen. Sie war eine toughe Frau, die sich durchaus zur Wehr setzen konnte, nicht nur verbal. Wie ich von unzähligen Gelegenheiten wusste, konnte sie ungeahnte Kräfte mobilisieren, trotz ihrer schlanken Statur. Unsere Beziehung war bis dahin überwiegend sexueller Natur gewesen. Wenn einer von uns Lust auf den anderen hatte, sagte der Andere selten Nein. Offensichtlich machte es sie an, wenn ich sie schlug, erniedrigte und mies behandelte . Mich machte es an, das war klar, aber mein unkontrollierter Ausbruch war mir peinlich.

In Kategorien von Devianz dachte ich ins dieser Situation nicht. BDSM existierte in meinem Kopf als Konzept noch nicht so, wie es das heute tut. Schon gar nicht in einer Art, dass es mir einfiel, dieses Konzept wirklich auf meine eigenen Handlungen anzuwenden. Ohnehin war ich wegen meiner Gemütslage nicht in der Lage, unsere Situation in der mir üblichen Art rational zu analysieren. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, die Erziehung zu einer Sklavin zu planen, abgesehen davon, dass ich dazu hätte wissen müssen, dass ich eine haben wollte. Aber dennoch geschah es, dass ich so, ohne es zu wollen, in eine 24/7 Beziehung stolperte. Natürlich wusste ich, dass sie masochistische Tendenzen hatte, wusste um ihre submissiven Neigungen. Aber, dass sie meine Sklavin sein wollte, war mir nicht klar gewesen.

„Du willst bleiben?“, fragte ich.

Sie nickte, ohne meinen Schwanz aus ihren Lippen entgleiten zu lassen.

„Dann werde ich dir jetzt ein paar Regeln mitteilen, an die du dich wirst halten müssen!“

Sie nickte und saugte hingebungsvoll weiter.

„Komm her!“, befahl ich und zog sie an mich heran, als sie nach oben kletterte.

„Du solltest dir klar darüber sein, dass es hart wird!“

Sie nickte und schmiegte ihren Leib an den meinen.

„Die letzte Nacht wird dir vorkommen wie ein Zuckerschlecken!“

Ich blickte tief in ihre dunklen Augen, und sie nickte. Ich drückte ihren Kopf in meine Halsbeuge, meine Finger kraulten sacht das Haar in ihrem Nacken. Still lagen wir aufeinander, genossen diesen intimen Moment, schwelgten schweigend in Erinnerungen, was gestern war und die Vorfreude auf das Kommende. Sie war es, die schließlich die Initiative ergriff, wenn auch nur durch leichte Bewegungen ihres Beines, das an meiner Erektion rieb.

Ich griff in ihr Haar und zog ihren Kopf in den Nacken.

„Und jetzt runter mit dir Sklavin!“


Bisher erschienen:

Drexler 1 – Nein heißt … Nein ?
Drexler 2 – Lolani
Drexler 3 – Hirnfick
Drexler 4 – Daniela

Drexler 5 – Frau mit Kind  – Teil 1
Drexler 6 – Eifersucht

soon to come:
Drexler 8 – Misogynie
Drexler 9 – Fisting for Compliments
Drexler 10 – Frau mit Kind – Teil 2


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4 Gedanken zu „Drexler 7“

  1. Ausnahmezustand der Gefühle

    Erst kommt die Verzweiflung… das Begreifen setzt erst später ein. Die Liebe einer Mutter ist mit nichts zu vergleichen und durch nichts zu ersetzen.

    Ich fand es sehr spannend, zu was die Wut sich entwickelt hat. Die verzweifelte Suche nach jemandem, den man verantwortlich machen kann. Ein Ventil!
    Mir half die Variante, seelischen Schmerz durch körperlichen Schmerz zu verdrängen….

    Ich habe mitgefühlt

  2. Wow, ganz schön heftig was drexler da passiert ist. Ich denke jeder geht anders mit Trauer um und er hat einen Weg gefunden damit umzugehen. Und letzten Endes hat kam ja auch was gutes dabei raus . Bei den ersten Zeilen hätte ich den armen Kerl gerne einfach nur umarmt.

  3. Drexler 7 -Wut

    Oh, Tomacz, wo ich die ersten 4 Zeilen gelesen habe, wusste ich, da kommt Trauer auf mich zu.
    OTARD XO, den Cognac habe ich schon im Club FELIX in Berlin getrunken, eigentlich Stilbruch im Plastebecher, aber egal, gut zur Trauerbewältigung. Ich verstehe Drexler, wie er um den Tod seiner Mutter trauerte, irgendwann ist nur noch Leere und man hat keine Tränen mehr.

    Dazu meine eigene Erfahrung:
    Als ich weiter las, musste ich an einen früheren Freund denken, den ich sehr liebte, er war jede Woche mehrere Tage bei mir, von außerhalb – war selbständig, der Sex war gigantisch. Dann starb sein Vater und er kam an diesem Abend nicht zu mir und ich dachte, er braucht Dich jetzt. Also habe ich mich ins Auto gesetzt und bin zu seinem Haus gefahren, aber er wollte mich nicht, er hatte keinen Bock mich zu sehen. Ich wollte ihn doch nur ablenken, ihm Freude schenken. Ich blieb und natürlich kam es zu Sex und er sagte dann, gut, dass Du geblieben bist.

    Drexler fand das als Frechheit und wenn ich das lese, kann ich das wiederum von seiner Seite aus auch verstehen – er wollte nur trauern – das war er seiner Mutter schuldig.
    Sie wollte ihm nur Freude bereiten und tat sexuell für ihn alles bis zur Erniedrigung.
    Trauer ist ein heikles Thema. Die Wut von Drexler war in diesem Fall angebracht, aber Drexler wäre nicht Drexler wenn nach dem Durchlebten, doch die Erleuchtung kam, sie als Sklavin zu nehmen.
    Fazit:
    Das macht Drexler wieder liebenswert – die Trauer um seine Mutter ging nicht spurlos an ihm vorbei.
    Persönliche Anmerkung:
    2 Monate nach dem Tod des Vaters meines damaligen Freundes starb mein Vater, umgefallen und nicht wieder aufgewacht – Gehirnschlag. An diesen 2 Tagen war er rund um die Uhr für mich da, hatten viel Sex, was mir ungeheuer gut getan hatte und die Trauer linderte.

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