Drexler 11

 

cropped-cropped-drexler-1.jpgIst es Euch schon mal passiert, dass Ihr jemanden näher kamt, sehr nahe, und dann leider feststellen musstet, dass Ihr, wenn Ihr Euch auf diesen Menschen einlasst, ich meine ernsthaft einlasst, auf das Ausleben der eigenen Neigung wahrscheinlich verzichten müsst? Egal jetzt ob er/sie zu viel will oder zu wenig.  Und wenn ja, wie habt Ihr Euch verhalten?

Es ist schon ziemlich lange her, da hatten wir in der Firma eine Praktikantin. Markante Gesichtszüge, ich möchte fast sagen mehr eine derbe als eine klassische Schönheit. Sie trug eine auffällige Kurzhaarfrisur, mit bunten Strähnchen und einem gewagten Undercut auf einer Seite. Ihre Arme, sie trug meist schulterfreie Tops, waren mit großflächigen Tattoos bedeckt, Nase und Augenbrauen waren gepierct, in den Ohren natürlich mehrfach.

Sie trug fast immer Stiefel oder Stiefeletten – vermutlich, weil sie sehr klein war –  und dazu knatschenge Jeans, was ihren extrem famosen Arsch extrem famos zur Geltung brachte. Logisch, dass ihre Erscheinung nicht selten Gesprächsstoff der männlichen Kollegen war.

Bei irgendeinem Event, ich glaub, es war der letzte Abend nach einer Messe, ein Absacker in der Hotelbar, kamen wir uns näher. Es wird vielleicht einige von Euch überraschen, aber ich habe immer eine klare Linie gezogen, wenn es um Kolleginnen und besonders „Untergebene“ ging. Ausserdem war sie in festen Händen.

Sie nahm mir den Korb nicht im Mindesten übel, was sie extrem sympathisch machte, und schließlich zu einer innigen Freundschaft führte. Es war eine außergewöhnliche Freundschaft, platonisch, aber geprägt von einem erotischen Knistern. Wenn sie ein paar Gläschen intus hatte, horchte sie mich gerne aus und erzählte selbst sehr gern von ihrem Sexleben. So erfuhr ich, dass sie aufgeschlossen, neugierig und sehr experimentierfreudig war. Obwohl sie fast ein Jahrzehnt jünger war, hatte sie mir so manches voraus. Besuche in Swingerclubs, Partnertausch, bis hin zu kleinen Orgien. Besonders lustig war eines dieser Gespräche, sie wollte etwas sagen, verkniff es sich dann aber, weil sie fürchtete, dass ich sie dann verdammen würde oder so.

Es dauerte eine ganze Weile bis sie mir endlich offenbarte, dass sie auf Natursektspielchen stand. Ihr wisst, das ist etwas, was mich nicht sonderlich interessiert. Klar ich verurteile aber auch niemanden deswegen. Ob und wie ich mich daran beteiligen würde, war natürlich wieder eine ganz andere Frage.

 

Der langen Rede kurzer Sinn: Irgendwann war es dann soweit. Bestimmt drei Jahre nachdem wir uns kennengelernt hatten, ihr Praktikum war lange beendet und inzwischen war sie solo, lud ich sie zu mir zum Essen ein.

Ein ganz außergewöhnliches Vergnügen mit einer herrlichen frivolen Unterhaltung, die ich Euch in Auszügen wiedergeben möchte. Wir waren bei der Vorspeise, als sie sagte:

„Du weißt, dass du heute Abend fällig bist?“

„Klar, davon bin ich ausgegangen.“

„Du bist so ein arrogantes Arschloch“, sagte sie und lachte.

„Ich weiss. Und deshalb bist du hier, oder nicht?“

Wir stießen mit den Weingläsern an.

„Total verrückt“, sagte sie, „dass wir solange gewartet haben.“

„Ja, stimmt. Du hast drauf gewartet, dass ich dich an den Haaren in meine Höhle zerre und über den Tisch schmeisse, und …“

„So ungefähr. Und du darauf, dass ich auf die Knie gehe und unter dem Tisch zu dir krabbele,  und …“

„Ja, das waren unter anderem meine Gedanken.“

Es ist ja so, wenn man die 35 passiert hat und die 4 vorne sich mit Riesenschritten nähert, wird es glaube ich, immer seltener, dass man sich verknallt. Ich glaube, mir wurde das während dieses Gesprächs immer mehr bewusst. Bis dahin war ich davon ausgegangen, dass sie eine gute Freundin war, auch wenn ich immer davon ausgegangen war (und immer noch davon ausgehe) dass Männer und Frauen im Prinzip dauerhaft keine Freunde sein können.  Aber sie war eine Freundin, und zwar eine mit einem verdammt süßen Arsch. Sie war eine Freundin, die ich an diesem Abend flachzulegen gedachte. Sie war eine Freundin, in die ich verknallt war, aber das würde mich nicht daran hindern, sie flachzulegen.

Leider kommt es manchmal ganz anders, als man denkt.

Bei der Hauptspeise sagte sie noch:

„Du hast viel zu lecker gekocht. Ich fürchte, ich bin so voll, dass ich mich ’ne ganze Weile nicht bewegen kann und will.“

„Mach dir keine Sorgen, Süße. Es reicht mir für den Anfang, wenn du stillhältst.“

 

Ich schenkte uns Grappa ein, und wir landeten auf der Couch. Dass sie zu vollgefressen war, um zu sich zu bewegen, erwies sich schnell als Irrtum. Im Gegenteil, sie war sogar sehr aktiv, ergriff die Initiative und landete bald auf meinem Schoß. Und Mann, sie fühlte sich gut an und sie schmeckte unglaublich. Ihr Körper, den ich zum Beispiel von Besuchen beim Baggersee schon vom Sehen her kannte, war eine Wucht. Ganz gleich, wo ich hinlangte, ganz gleich, welche ihrer Körperpartien zwischen meinen Lippen landete. Ich tastete, streichelte, küsste, leckte und ich war begeistert.

Aber etwas gab es, das störte: Wenn sie mich anfasste, spürte ich … nichts. Und dann, kaum hatte ich meine Lippen auf ihren Nippel gelegt, durch den ein dicker Ring gezogen war, zischte sie und meinte ich solle vorsichtig mit den Zähnen sein. Das wird der Augenblick gewesen sein, wo ich die Augenbrauen hochnahm, denn ich hatte meine Zähne quasi noch in der Hosentasche. Ihr wisst ich bin Sadist, daraus habe ich nie eine Hehl gemacht. Aber es ist ja nicht so, dass man nicht zu zärtlichen Berührungen fähig ist, nur weil man ein Sadist ist. Meine Zähne waren nicht mal in die Nähe ihres Nippels gekommen und sie machte gleich einen solchen Aufstand.

Eine Weile bemühte ich mich, ihren Wünschen gerecht zu werden. Sie mochte es, wenn ich meine Fingerspitzen sanft über ihre Haut gleiten ließ. Sie mochte auch, wenn ich meine Zunge zwischen den Lippen hervorschob und an ihren Nippeln spielte. Aber jede Berührung, die darüber hinausging, war ihr zuviel, wurde mit einem schmerzäußernden Zischen und einer Bemerkung „sei vorsichtig“ oder „nicht so fest“ kommentiert.

Das konnte doch nicht wahr sein. Da hatte ich eine absolute Traumfrau, mehr oder weniger entblättert auf meinem Schoß sitzen und dann so was. Verfickte Scheiße. In meinem Inneren tobte ein Wettstreit: Engelchen und Teufelchen (oder so) stritten sich. Teufelchen schlug vor, dass ich das erst mal hinnehmen sollte und auf jeden Fall weitermachen, irgendwie würde das Problem sich schon lösen. Engelchen wusste, dass es das nicht tun würde und Engelchen setzte sich durch.

 

Eine Weile saßen wir stumm nebeneinander und dann redeten wir drüber. Es stellte sich raus, dass sie gerne über Sex sprach, aber weniger an der Umsetzung interessiert war. Sie flirtete gerne, liebte das verbale Vorspiel.

Tja, so war das. Nach dieser Nacht, sie schlief in meinen Armen ein. Wir blieben zwar Freunde, aber die Freundschaft war nie wieder wie vorher. Der erotische Zauber war einfach verloren gegangen.

Wie ist das bei Euch. habt ihr ähnliche Erfahrungen?

9 Gedanken zu „Drexler 11“

  1. Hallo Tomasz,
    ich bin mit meinen Kommentaren hinterher aber ich werde wieder jeden Beitrag kommentieren, nicht so wie in den früheren Beiträgen, weil es nicht so erwünscht ist, weiß aber auch, dass Du Kommentare magst…eventuell auch meine. Schade, dass ich mich nicht so ausleben kann…

    Also zum Drechsler 11 muss ich Dir sagen, dass mir das auch schon so ergangen ist, dass ich von dem Mann, wo ich mir wünschte mit ihm Sex zu haben, maßlos enttäuscht wurde und das nicht nur einmal.
    Ich muss beim Sex was spüren, erst so weiß ich, dieser Mann liebt mich mit Haut und Haaren, aber wenn dann der Egoist durch kommt, und er liegt nur da …Hauptsache er hat seinen Orgasmus, vergeht mir die Lust. So was schaue ich mir nicht lange an. Ich könnte Dir das ausführlich erzählen aber dann nur per PN, sollte Interesse bestehen.
    Fazit:
    Manchmal ist gutes Aussehen von einem Mann nicht alles, wenn er eine Niete im Bett ist.
    Deine Marion

  2. Ja so etwas ähnliches kenne ich gut. Ich lebe in einer wundervollen polyamoren Dreierbeziehung mit zwei wirklich tollen Männern, leider sind wir hmm wie sagt man „nicht Neigungskompatiebel“ oder so.
    (Ich mag’s nicht einen ganzen Menschen auf nur das eine herunter zu brechen 🙁 keine Ahnung wie andere das können)
    Aber egal, ich mag Seile, aber weder mit D/s noch mit SM werde ich warm. Es fühlt sich für mich im Kopf immer ein gutes Stück Unecht an, als würde man eine Rolle spielen in die man sich nicht reinversetzen kann. Klar hat jeder versucht der anderen Seite etwas abzugewinnen, aber es soll nicht wirklich sein. Kurzzeitig kann ich durchaus mal Befehle befolgen, bestimmte Färbungen von Schmerz haben auch ihren Reiz, ich mag warmen Schmerz der sich langsam verteilt und ein paar andere Arten unglaublich gern. Aber der rest ist nicht meins, muss es auch nicht.

    Wir haben also unsere Bedürfnisse irgendwann nach vielen Gesprächen Ausgelagert. Ich kenne die jeweiligen Spielpartner meiner Männer und sie kennen meinen. Ich mag die Mädels meiner zwei richtig gerne.
    Und wir zu dritt? Nun wir haben tollen Sex, wir lachen zusammen und noch 1000 Sachen mehr. Es funktioniert bei uns durch zwei Dinge. Das eine ist Reden und davon viel und sehr ehrlich, die andere Sache ist, wir sehen im anderen viel mehr als nur eine Neigung. Da sind so unglaublich viele Sachen mehr die am Ende ein ganzes ergeben das man Liebt.

    Für mich ist also das nicht mit dem Partner Ausleben können kein Drama solange es ehrlich abläuft.

      1. Ob es ein Traum ist weiß ich nicht. Der Weg zu dem was Heute ist, der war sehr lang und voller Gespräche. Hmm für mich fühlt es sich normal und richtig an.
        Zu deiner Frage, nun ganz am Anfang habe ich einfach nur zwei tolle Männer gehabt die sich auch untereinander mochten. Die Neigungen standen zum Anfang nie zur Debatte. Einfach aus dem Grund, du kannst Menschen finden die zwar deine Neigung ergänzen aber ob es auf anderen wichtigen Ebenen passt ist dann ein Stück ungewiss. Mir persönlich war aber immer am wichtigsten das es im menschlichen Miteinander hinhaut, der Rest findet sich wenn es an der Zeit ist.
        Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist auch Menschen ändern sich.was mit dem einem Ex nicht ging kann mit einem anderen klappen (oder guck als kind habe ich Rosenkohl geliebt, heute kannst du mich mit dem Zeug Kilometerweit jagen). Eine neue Beziehung ist zumindest für mich immer ein kompletter Neustart bei 0.

        Aber irgendwann führt man diese berüchtigten „wir müßen Reden“ Gespräche die sich so total bescheuert anfühlen. Tja und dann sitzt man da am Tisch und realisiert das alle beteiligten Personen das BDSM Akronym fast abdecken. Das ist zugegeben erstmal gruselig.

        Wir haben einfach gesagt scheiß drauf was andere Sagen oder Meinen und haben Experimente gemacht. Das Ergebnis war, beide sind mit Seilen außergewöhnliche Grobmotoriker und fesseln lassen war auch nicht ihrs (ich hatte ja sogar Mitleid mit meinen Schätzen so schlimm war es)
        Wiederum habe ich versucht D/s was abzugewinnen. Es kommt sehr stark auf mein Arbeitspensum an und ob ich es schaffe irgendwie „rein zu kommen“ aber dauerhaft oder auf Ansage endet das im Lachanfall bei mir und wenn ich lache ist eh alles zu spät weil dann alle auch mit lachen.
        SM funktioniert auch nicht so einfach. Ich bin was Schmerz angeht echt eine verwöhnte Prinzessin. Ich mag bestimmte recht eng gefasste Richtungen und den Rest halt nicht. Tja und das was ich nicht leiden kann ertrage ich auch nicht.

        Wie sich halt abgezeichnet hat es funktioniert so nicht zufriedenstellend haben wir geredet, uns Reflektiert und geschaut wie bekommen wir drei das alles so hin das alle einzelnen Personen glücklich werden und so sind wir als Dreier Einheit heute da wo wir sind. Sehr viel macht aber der Umgang miteinander aus. Ich habe es ja schon mal geschrieben ich könnte keinen Menschen nur auf eine oder seine Neigung reduzieren. Einfach weil es meinem Empfinden nach nur ein ganz kleiner Teil vom ganzen Menschen ist. Und wenn so weit alles passt, warum sollte ich einen tollen Menschen in den Wind hängen nur weil sich unsere Neigungen nicht decken? Da würde ich doch viel mehr verlieren als gewinnen!

  3. Stop mich wenn du das Gefühl hast ich spamme deine Beiträge zu. Ich mag sie gerne lesen. Sie bringen mich zum nachdenken schmunzeln und mehr.. Ich habe seit 15 Jahren eine Onlinefreundschaft. Wir teilen irgendwie die Leidenschaft der erotischen Mailwechsel. Sozusagen Rollenspiele ☺. Wir wissen auch viel privates von einander. Haben aber von Anfang an gesagt, das wir uns nie treffen werden. Weil sonst der Zauber verfliegt. (meine Langjähriger Erfahrung im Internet) ☺ . Ich bin aber froh das wir uns kennen☺ nicht ganz so wie deine Geschichte, hoffe es ist okay.
    Ach und ich kann sagen, ich kenne viele Frauen die über Sex reden, den so aber noch nie hatten. Schade eigentlich😍

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