Drexler 6

Angeregt durch einen Beitrag auf einem anderem  Blog habe ich mir ein paar Gedanken über das Thema Eifersucht gemacht. Mit BDSM hat sie nichts zu tun, es kommt darin aber ein klein wenig Alpha-Männchen-Gehabe zur Sprache.

Die Beziehung zu meiner damaligen Partnerin, war knapp zwei Jahre alt und aus beruflichen Gründen eine Fernbeziehung, das heißt, wir sahen uns nur an den Wochenenden. Bei einem Gespräch via Telefon, damals noch das gängige Mittel der Kommunikation, erwähnte sie einen Studienkollegen, den sie gesprochen habe. Ganz beiläufig, nach dem Motto „Erinnerst Du Dich, wir haben den Mal auf einer Party getroffen“. Ich erinnerte mich natürlich nicht und unser Gespräch wandte sich bald anderen Themen zu. Als ein paar Wochenenden später das Gespräch wieder auf diesen Typen kam, der in unsere Stadt gezogen sei und sich mit ihr verabreden wollte, wurde ich hellhörig.

Zum Verständnis: Einerseits war diese Frau mit einem gesunden sexuellen Appetit versehen. Andererseits stand sie sexuellen Abenteuern nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Unsere Beziehung war aus einem sehr spontanen klassischen ONS zweier Unbekannter hervorgegangen, die sich in einem Club begegnet waren. Ich war arrogant genug, mir in der Vorstellung zu gefallen, dass sie sich exklusiv nur mir so schnell und spontan hingibt, gleichzeitig nicht blöd genug, um prinzipiell von der Richtigkeit dieser These auszugehen. Mit anderen Worten: meine Wachsamkeit war geweckt, meine Sinne geschärft, und ich begann, meine Optionen abzuwägen. Wir hatten keine D/S -Beziehung, in der ich ihr irgendetwas hätte verbieten können, was ich nebenbei bemerkt sowieso für wenig zielführend gehalten hätte. Sollte ich mein vages Unbehagen übertreiben und richtige Eifersucht mimen? Eine Szene machen oder die beleidigte Leberwurst spielen? Beides kam für mich nicht infrage. Ignorieren konnte und wollte ich es natürlich auch nicht. Also wartete ich auf die passende Gelegenheit und fragte in ebenso beiläufigem Ton, ob sie sich mit ihm treffen wolle. Der Versuch, meine Wachsamkeit durchklingen zu lassen, ohne gleich krankhaft eifersüchtig zu wirken, war offenbar erfolgreich. Mein Nachfragen wurde richtig interpretiert. Meine latente Eifersucht, fand sie sehr süß. Sie erklärte mir, ihre Absichten seien ebenso wie seine, rein platonisch. Er sei gerade erst hierher gezogen, suche Anschluss in einer fremden Umgebung. Wir stritten darum, unsere Positionen schienen unvereinbar zu sein. Es hatte allerdings den angenehmen Nebeneffekt, dass man sich im spielerischen Streit gegenseitig Komplimente machen konnte: „Selbst ein Mönch kann einer Frau wie dir nicht dauerhaft rein platonisch …“ sagte ich, woraufhin sie erwiderte: „nur ein triebgesteuerter kleiner Macho wie du …“.Dieser Austausch führte zu Anzüglichkeiten bis hin zu handfesten Dirty-Talk-Einlagen. Sehr schnell findet man sich in einer Situation wieder, in der sich Kleidung für die Fortführung der Kommunikation als hinderlich erweist. Das ist sehr vorteilhaft, denn wie man weiß, führt intensiver Hautkontakt zur Ausschüttung nicht unerheblicher Mengen an Oxitocin, das von Neurologen auch als das Bindungshormon schlechthin bezeichnet wird. Nach dem obligatorisch guten Versöhnungssex, konnten wir entspannt das weitere Vorgehen besprechen.

Ich schlug ein Treffen zu dritt vor. Es ist hier wichtig zu beachten, dass der Grat zwischen zu viel Sorge ausdrücken und völliger Ignoranz sehr schmal ist. Da das ungefähr meinem emotionalen Zustand entsprach, musste ich nicht schauspielern.

Trotz Wachsamkeit, verzehrte ich mich aber nicht vor Sorge. Ich signalisierte, dass ich ein Auge auf die Sache haben würde, ohne mich vor Gram und Zweifel innerlich zu zerfleischen. Mit anderen Worten: Selbstbewusstsein war hier angebracht, sogar Arroganz, aber völlige Ignoranz total fehl am Platz.

Präsenz zeigen und meinem Alphamännchenstatus entsprechend, mein Revier markieren. Den potentiellen Nebenbuhler abschätzen:

Kann er überhaupt eine Konkurrenz für mich sein und wenn ja, warum? Die Fähigkeit zur Selbstkritik ist hier existenziell. Meine Absicht war, in seiner Wahrnehmung von Anfang an nicht die Rolle eines Phantoms einzunehmen. (Der Partner aus der Ferne, der immer nur am Wochenende Zeit für sie hat, sie wahrscheinlich vernachlässigt, etc. pp). Last but not least: Ich neige nicht zur Gewalt und in diesem Zusammenhang halte ich sie sogar für verurteilenswert. Aber den Effekt meiner körperlichen Überlegenheit ihm gegenüber, verstärkt durch einen respekteinflößenden Nimbus als Uniformträger, nahm ich natürlich gerne mit.

Eine Bedrohung war er für mich nicht. Eher dachte ich: Sollte ER der Richtige für sie sein, würde das beweisen, dass ICH nicht der Richtige für SIE bin. Das würde mir zwar keinesfalls gefallen, aber …

 

Das war so in etwa meine damalige Vorgehensweise. Sie hat sich übrigens einige wenige Male mit ihm getroffen, zu Annäherungsversuchen ist es dabei meines Wissens nie gekommen und ich hatte nie Grund dazu Gegenteiliges anzunehmen. Nach wie vor fällt es mir schwer zu glauben, dass er wirklich nur platonische Absichten hatte. Fällt mir aber immer schwer zu glauben, wenn Männer behaupten rein platonische Absichten bei hochattraktiven Frauen zu haben 😉

Wie haltet ihr es mit Eifersucht? Gibt es ein Zuviel davon, ein Zuwenig? Wieviel wollt, wieviel braucht ihr, was ist die richtige Dosis?

Bisher erschienen:

Drexler 1 – Nein heißt … Nein ?
Drexler 2 – Lolani
Drexler 3 – Hirnfick
D
rexler 4 – Daniela
Drexler 5 – Frau mit Kind  – Teil 1

soon to come:

Drexler 7 – Wut
Drexler 8 – Misogynie
Drexler 9 – Fisting for Compliments
Drexler 10 – Frau mit Kind – Teil 2


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6 Gedanken zu „Drexler 6“

  1. Eifersüchtig ist, wer Angst hat, jemanden zu verlieren.
    Hat nicht zwangsläufig mit mangelndem Vertrauen zu tun.

    Ein sehr wichtiges Gefühl, das auf jeden Fall dazu gehört.
    Nicht immer schön für beide, denn es kann in gewissen Situationen schonmal in den Wahnsinn treiben…
    Zuviel davon kann sehr belastend sein, für beide Partner.
    Das richtige Maß entscheidet.

    Ich persönlich bevorzuge Freundschaften mit Männern aus Überzeugung. Rein platonisch funktioniert also ganz gut, man muss nur vorher klare Grenzen abstecken. Eine Mann – Frau Freundschaft ist ehrlicher… kein Gezicke und falsches Getue, da gibt’s kein durch die Blumen, sondern Fakten.

  2. Ein schwieriges Thema. Ich denke, nicht für umsonst gibt es den Spruch:“Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“
    Vielleicht ist es einfach auch manchmal nur ein Moment, wo man selbst reflektiert und sich über seine Beziehung Gedanken macht. Ist die Beziehung tief genug, ernst genug oder lässt man sich von Aussagen hinreißen, mehr zu interpretieren als wirklich dabei ist. Vielleicht eine Verlustangst? Da muss das Fundament einer Beziehung passen. Man muss darüber reden und auch seine Ängste dem Partner mitteilen. Auch das Vertrauen dem Partner gegenüber muss da sein. Ansonsten kann sich dann eine Beziehung entwickeln, die sehr eklig wird. Wo man schon Anfälle bekommt, wenn der Partner einer anderen Frau hinterher schaut oder der Partner dem anderen „Hausarrest“ gibt, wenn er selber auf Montage ist.

  3. Eifersucht ist ein Thema das jeder anders interpretiert. Es kann krankhaft werden oder vielleicht gar nicht so nach außen hin getragen werden. Ich persönlich finde das man darüber streiten kann aber wie gesagt jeder sieht es anders oder?

  4. Ein gewisses Maß an Eifersucht ist okay , naja find ich sogar gut. Das zeigt ja auch das man dem anderen nicht egal ist. Und so ein bisschen zeigen das ist meins ist irgendwie sexy. Ich kann das nicht so toll erklären . 🙈🙈 .

  5. Das Thema „Eifersucht“ wird Drexler sein ganzes Leben begleiten, es gehört einfach dazu und ist die Würze des Lebens und gerade beim Thema „Fernbeziehung“ spielt Eifersucht eine ganz große Rolle.

    Ich kenne das aus eigener Erfahrung, auch wenn man dem Partner vertraut, ist er wirklich immer treu? Was natürlich auch umgekehrt der Fall sein kann? Manchmal montagelang weg oder nur einTreffen am Wochenende ist es weder für Frau noch für Mann einfach.

    Wenn die Freundin vom Drexler immer wieder von den „angeblich“ guten Freund erzählt, würden bei mir alle Alarmglocken läuten.
    Ich würde auch sofort merken, wenn so nebenbei Fragen fallen würden und man sollte nie ausschließen, könnte da mehr daraus werden, wenn sich Gelegenheit dazu bietet.

    Drexler ist sehr raffiniert, Vorschlag: Treffen zu dritt. Er hat es geschickt verstanden, die Situation danach einzuschätzen.

    Fazit:
    Freundschaft zwischen Mann und Frau soll es ohne SEX ja nicht geben. Ich finde schon.
    Trotzdem bin ich bei diesem Thema sehr vorsichtig,

    „KEINER SCHWITZT ES DURCH DIE RIPPEN“.

    Eifersucht sollte ab und zu sein, damit man sich selbst begehrenswert findet. Aber man sollte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und zum Mittel Eifersucht greifen.
    Das tut keiner Beziehung langfristig gut.
    Gelegenheiten gibt es jeden Tag genug, ob Fernbeziehung oder Beziehung vor Ort…spielt keinerlei eine Rolle.

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