Blut

Durch meine Recherchen für das Lexikon von Fetisch.de bin ich auf einen Kink gestoßen, der bestimmte Erinnerungen wach gerufen hat. Und weil das Lexikon schreiben manchmal eine so furztrockene Sache (gar nicht mal so sehr für mich, sondern für manche/n LeserIn dieses Blogs) ist, möchte ich diese Erinnerung nun mit euch teilen.

Aber nicht erschrecken, denn es geht um den Blutfetisch. Meiner Einschätzung nach werden die meisten eher mit Ablehnung auf diesen spezifischen Kink reagieren. Insbesondere unter BDSMlern — so meine Vermutung — wird meistens so gespielt, dass kein Blut fließt. Allenfalls werden Mikroverletzungen, wie sie durch heftigen Einsatz von Floggern oder dem Wartenbergrad auftreten können, toleriert. Wunden, die darüber hinausgehen, sind verpönt. Das ist auch gut so, denn es geht ja beim SM darum, gemeinsam Spaß zu haben und nicht darum einander zu verletzen. Oder nicht?

Die Lust auf Blut als sexueller Fetisch ist Fachleuten unter dem Begriff Hämatodipsie bekannt. Wirklich kein schönes Wort. Viel wohlklingender ist da schon der „Vampirismus“. Allerdings sind die Bedürfnisse des/der Vampiristen etwas spezifischer in ihrer Natur als die des Hämatodingens, denn ihr/ihm reicht es nicht, das Blut anzusehen und damit zu spielen, er möchte es nämlich trinken.

Dass Vampire und ihr düsteres Treiben sexuelle Fantasien anregen, ist keine große Überraschung. Schon Bram Stokers Roman Dracula enthielt mehr als deutliche erotische Anspielungen. Der Protagonist Jonathan Harker beschreibt darin seine erste Nacht im Schloss des Grafen als einen hoch erotischen Fiebertraum. Voller Angst und Begierde wird er von zwei blutlüsternen Geschöpfen verführt, während sie sein Blut trinken.

Sämtliche Angriffe von Vampiren auf weibliche Opfer werden schon in Stokers Text als sexueller Akt angelegt, bei dem die unschuldige Maid den hypnoerotischen Verführungskünsten des blutlüsternden Vampirs hoffnungslos anheimfallen.

 

Bei mir war das natürlich nicht ganz so extrem. Oder doch?

Es war nämlich so, dass wir den ganzen Tag an einem Badesee verbracht hatten. „Wir“, das sind übrigens Ursula und meine Wenigkeit. Ursula ist natürlich nicht ihr richtiger Name, Ursula nenne ich sie wegen des Bikinis, den sie an jenem Tag trug. Ihr wisst schon, so einen mit einem Gürtel und einem Täschchen, wie Ursula Andress ihn in „James Bond jagt Dr. No“ trug. Ich meine mich zu erinnern, diese Art Bikini damals – Anfang der 2000er – öfter gesehen zu haben. Es war ein sehr heißer Tag, nicht nur vom Wetter her, und wie ihr euch sicher vorstellen könnt, waren wir beide in bester Stimmung, nachdem ich den ganzen Tag in der Nähe mit einer Badeschönheit wie meiner Ursula verbracht hatte. Beide konnten wir es kaum abwarten, endlich nach Hause zu kommen und übereinander herzufallen. Allerdings musste ich noch einkaufen, also setzte ich sie zuhause ab und fuhr weiter. Sie sagte, dass sie sofort unter die Dusche springen würde und ich rang ihr das Versprechen ab, genau das nicht zu tun. Sie sollte gefälligst auf mich warten, damit wir gemeinsam duschen könnten, vorher und nachher und zwischendrin.

Als ich zurück bin und den Einkauf auf den Küchentisch stelle, springt Ursula mich regelrecht an. Sie hängt an mir, wir knutschen, sie streift mir das T-Shirt ab, ich ziehe ihr ihres über den Kopf. Wir machen so in der Küche rum, mal drücke ich sie gegen den Kühlschrank, mal sitzt sie auf dem Herd. Irgendwann, nachdem ich ihr das Höschen abstreife, setze ich sie auf dem Küchentisch ab, mitten zwischen die Einkaufstüten. Als ich dann so an ihr rumknabbere, kommentiert sie das zum einen mit einem freudigen Jauchzen und zum anderen vernehme ich das deutliche Knurren ihres Magens. Und natürlich stimmt mein Magen sofort ein, was nur logisch ist, denn wir haben den ganzen Tag eigentlich nichts gegessen. Aber da liegen ja die Einkaufstüten rum, in denen sich eine ganze Auswahl von frischen und sehr schönen Karotten befindet. Die waren total frisch, sehr knackig und vor allem sauber genug, dass sie ohne Weiteres zum Verzehr geeignet waren. Ich gebe ihr eine, nehme mir selbst eine, und setze mein Festmahl zwischen ihren Beinen fort. Ich verlange eurer Fantasie nicht zu viel ab, dass ich meine Möhre nicht einfach so verspeist habe. Natürlich habe ich die Möhre auch als Sextoy benutzt, sie auf ihrem Spalt entlang gerieben, sie zwischen ihre Schamlippen gedrückt, also jetzt der Länge nach. Dort habe ich sie dann festgeklemmt und sehr zu Ursulas Freude genüsslich weggeknabbert. Noch mehr Freude hatte sie mit meiner zweiten Möhre. Sie hatte einen kleinen Knick, der lustig aus ihr herausragte, nachdem ich das andere Ende eingeführt hatte. Jeden Biss in das emporragende Gemüse, nutze ich zum kurzen Fick und einer Drehbewegung, die Ursula wegen des Knicks sichtlich genoss. Noch mehr gefiel ihr, dass ich den in ihr verbliebenen Rest aus ihr heraus lutschte, knabberte und biss.

Ihr fragt euch wahrscheinlich schon die ganze Zeit, wie lange ich euch noch mit der Foodporn-Einlage langweilen will. Ich höre schon eure zornigen Rufe: „Komm doch endlich zur Sache, Tomasz! Was ist denn jetzt mit dem verfickten Blut!“

 

Gemach, Gemach, meine Lieben. Bevor es zu der Blut-Situation kommen soll, wechseln Ursula und ich ins Wohnzimmer, weil die Küche viel zu heiß ist. Das Wohnzimmer verlassen wir wenig später zugunsten des Dachbalkons, weil unsere überhitzten Leiber aneinanderkleben und wir uns Kühlung von einem erfrischenden Abendlüftchen erhoffen. Das gibt es zwar auch, dummerweise meint Ursula dann, im Haus gegenüber einen Typen mit einem Fernglas zu sehen. Den sieht sie öfter, behauptet sie jedenfalls. Deshalb verziehen wir uns dann doch wieder in die Küche, wo wir vor den Blicken des Spanners geschützt sind. Außerdem sind da die Karotten und unsere Mägen knurren schon wieder (oder immer noch?). Ihre Körperöffnung ist aber nicht mehr frei, (jedenfalls die nicht, die für Foodsex in Frage käme) also teilen wir uns eine Möhre. Das müsst ihr euch so vorstellen: Ich habe das eine Ende im Mund, sie beißt ein Stück ab. Dann hält sie die Möhre zwischen den Zähnen und ich beiße meinerseits ein Stück ab. Trifft man sich in der Mitte, wird es zu wildem Geknutsche und eine eine ziemliche Sauerei. Am Ende sind beide Gesichter verschmiert mit einem Gemisch aus Speichel und mehr oder wenig zerkauten Karottenstückchen. Stört aber nicht weiter, wenn man gerade am Ficken ist, finde ich, eher im Gegenteil.

Mit der zweiten Möhre kam es dann zu dem blutigen Möhren-Unfall. Ich probierte nämliche eine Variation des vorherigen Spiels. Statt sie abbeißen zu lassen, bewege ich den Kopf weiter vor. Sie kriegt Maulsperre und muss würgen, als die Karotte gegen ihr Zäpfchen stößt. Wenig später muss ich feststellen, dass mein Würgereflex sehr gut ausgeprägt ist und somit meine eigene Fähigkeit zum Deep Throat praktisch nicht vorhanden. Als nächstes stelle ich fest, dass das Vorurteil, dass Männer keine guten Multitasker sind, möglicherweise doch stimmt. Als ich mich nämlich vom Hustenanfall erholt habe und von der Möhre abbeißen will, beiße ich mir in die Zunge. Vielleicht hätte ich mich mehr aus Ficken konzentrieren sollen und weniger aufs Dirty Talken, zumal mit Möhre im Rachen.

»HHHuck«, brülle ich dumpf und undeutlich. Sich in die Zunge zu beißen,  tut Scheiße weh, wie sicher die meisten von euch wissen. Ursula richtet sich halb auf, nimmt meinen Kopf zwischen die Hände. Als ich ihr verständlich gemacht habe, was passiert ist, tut sie das einzig Richtige. Sie drückt ihren Mund auf meine Lippen und beginnt gleichzeitig ihren Leib zu rucken. Offenbar in der Absicht, mich von meinem Schmerz abzulenken. Vielleicht will sie mir auch signalisieren, dass ich aufhören soll rumzuheulen und lieber … weiter ficken. Genau das tue ich auch. Schmerz setzt ja allerlei Hormone frei, deshalb wird es ab da eine ziemlich wilde Fickerei. Ursula küsst mich stürmisch, während ich mein Becken immer wieder nach vorne treibe und so fest ich kann, in sie hineinstoße. Erst jetzt wird mir der eisenartige Geschmack in meinem Mund bewusst.

»Das ist guuuut«, stöhnt sie und leckt sich die Lippen, die sich, wie ich erkenne, leicht rot färben. Dann presst sie ihren Mund wieder auf meine Lippen, saugt sich regelrecht an mir fest, lutscht Blut und Speichel aus meiner Mundhöhle.

»Abgefaaahren«, raunt sie und ich sehe einen roten Tropfen in ihrem Mundwinkel.

›Pervers. Sogar ziemlich pervers‹, denke ich. Dann kommen wir beide kurz nacheinander.

Sie wirkte wirklich wilder als sonst, stürmischer, hemmungsloser. Man könnte auch sagen, sie war rücksichtlos —  sage ich jetzt im Rückblick, denn diesen Gedanken hatte ich damals nicht. Ich kann jetzt von mir nicht sagen, dass der Geschmack von Blut eine aphrodisierende Wirkung auf mich hat. Ich habe andererseits aber keine Berührungsängste und ekle mich auch nicht vor Blut, schon gar nicht vor dem eigenen. Wenn ich mir den Finger schneide, lutsche ich das Blut ab, bis ein Pflaster greifbar ist oder die Blutung stoppt. Ich stehe total auf Abwechslung und besonders stehe ich drauf, wenn meine Partnerin aus sich heraus geht. Ihre Hemmungen und was sonst sie zurückhalten mag, fallen und sie — wie man so schön sagt — ihre ›wahre‹ Natur zeigt und sie so richtig die ›die Sau rauslässt‹.

Wiederholt haben wir das nie. Es war eine einmalige Sache. Das war schon heiß, verdammt heiß, dennoch nichts, das man wiederholen muss. Ich hatte nicht den Eindruck, dass unser Sexleben eine Bluttransfusion nötig hatte. Das war auch so wild genug mit Ursula. Hätte sie jetzt gesagt, dass sie das unbedingt braucht, weil es sie total anmacht, hätte ich es vielleicht in Erwägung gezogen, mir in den Finger zu ritzen und ihr einen Blowjob mit ein paar Tropfen des roten Saftes zu versüßen oder so.

Irgendwie finde ich das aber viel cooler. Man probiert so was einmal aus, weil es sich durch einen Zufall ergibt. Man kann es dann besonders genießen, eben weil es ein Versehen war.

Würde mich ja mal interessieren, ob auch andere solche Erfahrungen machen. Gibt es bei Euch Fetische oder Praktiken, die ihr durch Zufall entdeckt habt? Und wenn ja, ist es dann bei dem einen Mal geblieben oder habt ihr es weiterentwickelt?

 

Ein Gedanke zu „Blut“

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